Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2019
Attacke von rechts
Wie die AfD im Osten die Kirche spaltet
Der Inhalt:

Am Strand kommen sie gerne

von Thomas Rünker vom 23.08.2019
Sommer, Sonne, Meer: Touristengottesdienst auf der holländischen Insel Texel

Weihwasser, Tabernakel und ein »Amstel«-Zapfhahn: Die Ausstattung der »St. Bonifatius Kerk« auf Texel mag Besucher irritieren – doch für viele deutsche Katholiken ist sie im Feriensommer auf der holländischen Nordseeinsel ihr Glaubenszentrum. Dabei ist das Gotteshaus im Badeort De Koog schon lange keine Kirche mehr. Aus Mangel an Priestern, Gläubigen und Geld hat die Gemeinde ihre Kirche vor Jahren an die Kommune verkauft, die sie nun als Kulturzentrum nutzt – inklusive Bierausschank. Doch jeden Sommer mietet die Kirche das Kulturhaus zurück. Allerdings keine holländische Gemeinde, sondern Katholiken aus Deutschland: Neun Wochen lang laden dort haupt- und ehrenamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger aus dem Bistum Essen zu Gottesdiensten ein. Und der rege Besuch und die gute Stimmung treiben Priestern und Laien die Tränen in die Augen: Während daheim die Messen überaltern und verwaisen, freut sich die vor 51 Jahren gegründete Touristenseelsorge großer Beliebtheit.

Pastor Bernd Wolharn nennt »die Sehnsucht nach der heilen Kirchen-Welt, die viele daheim nicht mehr haben«, als einen Grund, der die Urlauber in De Koog so begeistert Messe feiern lässt. Zugleich werden die Touristen so selbst zu einem Teil dieser »intakten Pfarrfamilie«. Sie genießen auf Texel Möglichkeiten, die es in den Gemeinden daheim oft nicht gibt: aktives, inhaltliches Mitgestalten der Gottesdienste zum Beispiel oder neues geistliches Liedgut von einem musikalischen Laienensemble, bei dem der Spaß an der Musik wichtiger ist als ein formaler Abschluss in Kirchenmusik. Wolharn koordiniert die Touristenseelsorge des Bistums Essen. Drei Teams mit je einem Priester und einer Handvoll Ehrenamtlicher sind je drei Wochen auf Texel – in diesem Jahr seit Anfang Juli bis zum 1. September. Natürlich hat die Touristenseelsorge nicht nur Urlauber aus dem Ruhrgebiet im Blick, sondern richtet sich an alle deutschsprachigen Urlauber. Für sie gibt es neben den großen Familienmessen auch kleinere, ruhigere Gottesdienste – und viele musikalische, spielerische und spirituelle Angebote am Strand, im Wald oder im Watt. Ein christliches Animationsprogramm für die ganze Familie.

Während der Woche ist ein Wohnwagen das geistliche Zentrum. Auf Kogerstrand, dem größten Campingplatz der Insel, zeigt die rote Fahne links von der Rezeption, dass der Camper besetzt ist. Im Wohnwagen und auf der kleinen Terrasse daneben stehen die Touristenseelsorger –

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen