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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2019
Attacke von rechts
Wie die AfD im Osten die Kirche spaltet
Der Inhalt:

Kleiner wohnen

von Heike Baier vom 23.08.2019
Das eigene Haus im Grünen gilt nach wie vor als der Wohntraum schlechthin. Gleichzeitig leben immer weniger Menschen gemeinsam in einem Haushalt. Passt das Einfamilienhaus noch zu dieser Gesellschaft?

Als das zweite Kind da war, fanden die Diesels, dass es nun Zeit wäre für ein eigenes Haus. Warum – das war für Heribert Diesel nie eine Frage. Seine Kinder sollten im Garten spielen können, und schließlich hatte er selbst jahrelang Bausparverträge verkauft und die Vorzüge des Eigenheims als Altersversorgung angepriesen. Heribert Diesel leitete die Sparkasse im münsterländischen Saerbeck und wohnte mit seiner Familie in der Mietwohnung direkt über der Filiale, auf 110 Quadratmetern. Wenn er in fröhlichem Westfälisch seine Geschichte erzählt, klingt es geradezu unausweichlich: »Wer Familie hatte und es sich leisten konnte, besaß ein Haus«, so war das damals, 1981, in der prosperierenden Gemeinde zwischen Münster und Osnabrück. Die Diesels fanden ein Grundstück mit 844 Quadratmetern und bauten darauf. Ihr Garten war so groß, dass die drei Söhne darin prima Fußball spielen konnten, und im Haus mit 200 Quadratmetern Wohnfläche war genug Platz, dass sie mehrmals junge Europäer im Freiwilligenjahr beherbergen konnten. »Wir haben sehr großzügig gewohnt, und das war toll«, findet der Rentner Diesel rückblickend. Es war vor acht Jahren, er war damals 62 und die Kinder längst ausgezogen, als seine Frau erstmals vorschlug: »Wollen wir das Haus nicht verkaufen?« Diesel reagierte zunächst abwehrend. »Unser Haus verkaufen?« Mit den vierzig Hirschgeweihen im Keller, von denen jedes seine eigene Jagdgeschichte hat?

Das eigene Häuschen: Ein Idyll mit Spitzgiebel, Garten und Carport, in dem wir tun und lassen können, was wir wollen, Sinnbild für Familienglück. Als Wohnideal scheint das unverwüstlich, zumindest wenn man als Gradmesser die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt nimmt: Auch 2018 bestand dort ein »besonders starkes Interesse für frei stehende Einfamilienhäuser und Bauland«, notiert die Bausparkasse LBS in ihrem jährlichen Markt-Monitor. Vierzig Prozent der Deutschen leben im Einfamilienhaus, und obwohl die Bevölkerung kaum noch wächst, wird weiterhin fleißig Bauland ausgewiesen: Kommunen mit stagnierenden Einwohnerzahlen glauben, nur auf diese Weise junge Familien anziehen oder halten zu können; in den Vororten großer Städte fangen neue Siedlungen den wachsenden Druck des Wohnungsmarktes auf. »Bei vielen jungen Familien beginnt die Wohnungssuche in der Stadt und endet im Häuschen draußen vor deren Toren, weil sie sich die Stadt nicht mehr leisten können«, beschreibt Clemens Deilmann vom

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