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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2019
Attacke von rechts
Wie die AfD im Osten die Kirche spaltet
Der Inhalt:

Antisemitismus-Vorwürfe

vom 23.08.2019
Heftige Kritik am Greifswalder Bischof Hans-Jürgen Abromeit

Eigentlich wollte Hans-Jürgen Abromeit, Bischof von Mecklenburg und Pommern in der Nordkirche, beim Jahrestreffen der Evangelischen Allianz nur einen frommen Vortrag halten. »Als Christ lese ich die Bibel auch mit der Frage, was unsere Heilige Schrift zu einem möglichen Frieden beitragen kann.« So lautet einer der ersten Sätze seines Vortrags »Zwei Völker – ein Land. Eine biblische Vision für Frieden zwischen Israel und Palästina.« Abromeit erinnerte an Theodor Herzls Vorstellung eines säkularen Staates und an Martin Bubers Vision von einem Land, in dem zwei Völker gleichberechtigt nebeneinander wohnen. Er bedauert die religiöse Aufladung der Landfrage, die mangelnde Friedensbereitschaft der Nachbarstaaten und betont: »Als Deutsche erwächst uns aus der von Deutschland ausgegangenen Judenvernichtung eine Verantwortung für das Schicksal der Überlebenden der Schoah und die weitere Existenz des jüdischen Volkes.« Dann folgen die Sätze, die, skandalisiert durch die Bild-Zeitung, einen Aufschrei der Empörung auslösten. Abromeit behauptet, es gebe in Deutschland eine »Überidentifikation mit dem Staat Israel«. Weil dieser sich als jüdischer Staat definiere, folge daraus »prinzipiell die Benachteiligung der Palästinenser«. Ob es diesen ursächlichen Zusammenhang gibt, darüber kann man trefflich streiten. Dass aber die jüngst geänderte Verfassung und die Politik der israelischen Regierung auf die Belange der Palästinenser wenig Rücksicht nimmt, lässt sich schwerlich leugnen.

Dennoch hagelt es Kritik. Konstantin von Notz, religionspolitischer Sprecher der Grünen, sagt, die »unsäglichen« Äußerungen machten ihn »fassungslos«. Die Bischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt, kritisierte Abromeits Begrifflichkeiten als »völlig unangemessen«. Der Bischof von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, forderte einen eigenen Antisemitismusbeauftragten in der evangelischen Kirche. Diese sei »gefragt, mehr Verständnis aufzubringen für einen Staat, der von Ländern mit ausgeprägter Israelfeindschaft umgeben ist. Nähe zu palästinensischen Christen darf nicht dazu führen, die moralische Verpflichtung aufzugeben, sich für das Existenzrecht Israels einzusetzen.« In der Zeit sagte der Schweizer Jesuitenprovinzial und Judaist Christian Rutishauser, Abromeit habe »versucht, differenziert zu argumentieren«, sich aber beim Verhäl

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