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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2018
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen
Der Inhalt:

»Weg mit der Moral des Gehorsams«

1968 und die Protestanten: Als der Glaube politisch wird und Theologen den Tod Gottes verkünden

Es war ein Jahr, das es in sich hatte: 1968 kämpften nicht zuletzt junge Theologinnen und Theologen gegen den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze. Und sie hinterfragten radikal traditionelle Vorstellungen und überkommene Rituale in der Kirche. Fast alles musste nun legitimiert werden, erinnert sich Manfred Berg, damals Pfarrer der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) in Berlin: »Wenn wir Trauungen von Studentenpaaren vorgenommen haben, dann mussten vor der Trauung der Bräutigam und die Braut den anderen Studierenden erklären, warum sie nun in den Ehestand eintreten wollten.« Für Berg war das Zeichen einer neuen Ethik: »Es sollte nicht eine Moral des Gehorsams sein, sondern eine der persönlichen Entscheidung.« Die ESG diskutierte die sexuelle Revolution und stellte die Frage: »Muss es immer Ehe sein?«

»Politik und privates Leben hingen zusammen und wurden mit Lust und Leidenschaft diskutiert«, erzählt die heute 72-jährige Eva Quistorp. 1968 war sie Vertrauensstudentin der Berliner ESG. Später gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern der Grünen. Die sexuelle Befreiung war weniger ein Thema, worüber man nur geredet habe, »sondern was man gelebt hat im Studentenheim«.

Doch es ging nicht nur um die Moral, sondern vor allem um die Politik. So gewährte die Berliner ESG 1968 dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) logistische Unterstützung. Noch heute klingt Eva Quistorps Stimme beschwingt, wenn sie erzählt: »Ich saß hinter meinem Schreibtisch in der ESG, und da kam Rainer Langhans rein. Der sah aus wie ein Hippie aus Kalifornien.« Der Kommunarde Langhans wollte in den Räumen der ESG einen Hungerstreik machen für Fr