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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2018
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen
Der Inhalt:

Schweigekartell wie bei der Mafia

von Michael Schrom vom 24.08.2018
Kardinäle vor Gericht und immer neue Missbrauchsskandale: Wie die Kirche die Kinder verraten hat

In einem Schreiben an das »Volk Gottes« hat Papst Franziskus schwere Schuld eingeräumt. »Mit Scham und Reue geben wir als Gemeinschaft der Kirche zu, dass wir nicht dort gestanden haben, wo wir eigentlich hätten stehen sollen und dass wir nicht rechtzeitig gehandelt haben, als wir den Umfang und die Schwere des Schadens erkannten.« In der Tat: Fassungslos verfolgt man in diesen Tagen die Meldungen über das Ausmaß der sexuellen Gewalt in der katholischen Kirche. Der ehemalige Bischof von Adelaide, Philip Wilson, muss eine Fußfessel tragen. Australiens ranghöchster Kirchenführer, Kardinal George Pell, steht vor Gericht. Der einst hoch angesehene Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, wurde aus dem Kreis der Kardinäle entfernt und muss ein Leben in Buße führen. In Chile beschlagnahmt die Staatsanwaltschaft Personalakten in mehreren Bistümern. In Pennsylvania veröffentlicht die Grand Jury einen Bericht, wonach mehr als 300 Priester im Zeitraum von siebzig Jahren mindestens tausend Minderjährige missbrauchten. Die Irish Times berichtet, dass der ehemalige Kardinalsstaatssekretär Angelo Sodano (vgl. Publik Forum Nr. 11/2018) versucht haben soll, mit der irischen Regierung ein Stillhalteabkommen zu vereinbaren, um das Ansehen der Kirche zu schützen. Das harte Wort des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes Rörig, wonach in der Kirche immer noch Täterschutz Vorrang vor Opferschutz habe, ist berechtigt. Schweigekartelle und -zahlungen sind Mafia-Methoden.

Anachronistisch erscheint rückblickend der Erklärungsversuch von Papst Benedikt XVI., wonach erst die sexuelle Revolution den Zölibat unterspült hätte und so eine erhebliche Mitschuld an den klerikalen Missbrauchstaten habe. Natürlich gab es auch in liberalen Elite-Einrichtungen sexuellen Missbrauch (Stichwort: Odenwaldschule), aber die meisten beschuldigten Priester haben eine vorkonziliare Theologie verinnerlicht, die auf einer veralteten Anthropologie beruht. Darin wird der Einzelne als Subjekt gerade nicht ernst genommen. Man betrieb vielmehr eine idealisierte Überhöhung von kirchlichen Amtsträgern und Institutionen, nicht selten verbunden mit verqueren Reinheitsvorstellungen und einem tabuisierten, dämonisierenden Umgang mit Sexualität.

Ein Blick in das Evangelium zeigt, dass die Kirche mit Blick auf die Kinder gleich mehrfach die Frohe Botschaft verraten

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