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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2018
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen
Der Inhalt:

In Irland hat der Papst kein Heimspiel mehr

Ein Samstagabend in Dublin: Die Katholiken haben sich in ihrer Kirche zur Messe versammelt – aber der Pfarrer taucht nicht auf. Der Vertretungsplan ist offenbar fehlerhaft. Doch bevor die Gemeinde wieder auseinanderströmen muss, steigt Josepha Madigan die Altarstufen herauf, die irische Kulturministerin, die zur Gemeinde gehört. Madigan übernimmt spontan die Leitung, sie betet mit den Gläubigen und trägt die Lesungen vor. Anschließend erklärt sie öffentlich, dass die katholische Kirche endlich auch Frauen zum Priesteramt zulassen müsse. Als der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, davon erfährt, kritisiert er die Ministerin: Sie habe die Gemeinde in »erhebliche Aufregung« versetzt und sich »opportunistisch« verhalten. Tagelang beherrscht dieser Kirchenstreit im Juni 2018 die Schlagzeilen irischer Zeitungen.

Die kleine Episode ist symptomatisch für die Situation in Irland, das Ende August Papst Franziskus zum Weltfamilientreffen erwartet. Einerseits gehen dort immer noch 41 Prozent der Katholiken jeden Sonntag zur Messe. Andererseits ist die Autorität der Kirche durch den lang vertuschten sexuellen Missbrauch, durch die Zwangsadoptionen von Kindern lediger Mütter durch Ordensfrauen und die Aufdeckung eines Massengrabs mit Kinderleichen neben einem kirchlichen Mutter-Kind-Heim gebrochen. Zwar wenden sich viele Iren angewidert von der Kirche ab – aber die innerkirchlichen Konflikte sind noch immer so aufregend, dass sie auf der Titelseite der Zeitungen ausgetragen werden. In den letzten dreißig Jahren, schreibt der Irish Independent, habe sich die Insel vom »Ayatollah Irland zum Zuckerberg Irland gewandelt«. Sie hat mit Leo Varadkar einen schwulen Premier mit Migrationsgeschichte. Die Homo-E