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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2018
Hitze-Schock
Wie Landwirte und Verbraucher jetzt umsteuern müssen
Der Inhalt:

Fremdgemacht im eigenen Land

Die MeTwo-Debatte zeigt: Rassismus ist ein Problem. Unser aller Problem!

Tausende Deutsche mit Migrationshintergrund haben in den vergangenen Wochen unter dem Hashtag MeTwo ihre Erfahrungen mit Rassismus geteilt. Erschreckend ist, dass dies bei vielen Menschen sofort auf Abwehr stieß – nicht nur bei Rechten. Auch in der Mitte der Gesellschaft reagierten viele unwirsch. Da wurden »die Migranten«, die den Mut aufbrachten, seelische Verletzungen öffentlich zu machen, häufig entweder als überempfindlich dargestellt (»War doch nicht so gemeint, die Frage nach der Herkunft«) oder als undankbar (»Die reden alles schlecht«).

Statt endlich den strukturellen Rassismus in Schulen, auf Ämtern und am Arbeitsplatz anzugehen, ist es viel zu schnell still geworden um MeTwo. Das ist ein großer Fehler. Denn Rassismus ist kein Problem der anderen – es ist unser Problem.

Eine Gesellschaft, in der eine Mehrheit glaubt, man könne nicht gleichzeitig muslimisch und deutsch oder jüdisch und deutsch sein, lebt gedanklich im Vorgestern. Es ist keine Schwäche, sich in mehr als einer Kultur zu Hause zu fühlen, es ist ein Vorteil! Wer gelernt hat, mit unterschiedlichen Sichtweisen umzugehen, zwischen Sprachen und Mentalitäten zu wechseln, ist ein Gewinn für unsere Gesellschaft.

Offenheit kann man nicht erzwingen, ein Schwarz-Weiß-Denken (»Bist du nun Deutsche oder Türkin?«) nicht von heute auf morgen aus der Welt schaffen. Aber das Bewusstsein schärfen dafür, dass man durch leichtfertige Aussagen und Fragen Menschen fremdmacht, das sollte drin sein. Und wenn Sie immer noch glauben, das gehe Sie nichts an: Jeder fünfte Deutsche hat einen Migrationshintergrund. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Tochter einen Türken heiratet, Ihr Neffe sich in eine Ke