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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
Der Inhalt:

Lebenslinie auf dem Todesstreifen

von Bettina Röder vom 26.08.2016
Grenzen sind überwindbar. Daran erinnern Menschen mit dem »Grünen Band«, einem einzigartigen Biotop zwischen den einst getrennten Teilen Deutschlands. Ein Besuch am Baumkreuz zwischen Eisenach und Kassel

Für mich war die Welt dort hinten zu Ende.« Ralf-Uwe Beck sitzt auf einer Bank inmitten der blühenden Wiese. Weiße Schafgarbe, blaue Kornblumen, silberne Disteln wachsen hier. Der 54-Jährige mit dem Dreitagebart und den wachen graubraunen Augen blinzelt in die Ferne. Dort, wo die Berge hinter dem Tal und der Himmel sich zu berühren scheinen, war der Westen. Da kam er bis zum Mauerfall 1989 nicht hin. Doch die Grenze und der Todesstreifen verliefen auch unmittelbar hier, wo heute diese Bank steht. Ein 400 Meter langer Metallgitterzaun, inzwischen hat er Rost angesetzt, kündet davon. Ebenso wie tausend Linden und ein paar Apfelbäume, die hier inzwischen gepflanzt wurden. Jahr für Jahr am Baumkreuz, das auf der Strecke zwischen Eisenach und Kassel so etwas wie das Herzstück des Grünen Bandes ist. Jenes einzigartigen Biotops, das sich auf einer Länge von knapp 1400 Kilometern an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze durch ganz Deutschland zieht.

Hier, wo der Todesstreifen die Bundesstraße 7 zerschnitt, wurden 1990 die ersten 140 Bäume in die Erde gesetzt. Seither treffen sich Jahr für Jahr am ersten Novembersamstag gut hundert Menschen aus ganz Deutschland und erweitern das Grüne Band, pflanzen und pflegen neues Grün. Die Grenze wurde so zu einem lebendigen Denkmal, der Todesstreifen zur Lebenslinie. Und nicht nur das. »Wir wollen uns hier erinnern, was zu tun ist«, sagt Ralf-Uwe Beck. Die Überwindung der Grenzen in den Köpfen der Menschen gehört für ihn ganz wesentlich dazu.

Die Baumkreuz-Gemeinde

Die Treffen hier, bei denen es immer einen Gottesdienst und auch schon mal Taufen gibt, tragen sicher dazu bei. Denn unterschiedliche Menschen kommen da zusammen. Die »Baumkreuz-Gemeinde« ist weit verstreut und bunt: Künstler aus Düsseldorf und Köln, Unternehmer aus Frankfurt am Main, Landschaftsgärtner aus Kassel, kirchliche Gruppen aus der Region. Naturschützer, Bürgerrechtler und auch junge Bürgerinnen und Bürger aus Eisenach. Jedes Jahr gestaltet der Omnibus für direkte Demokratie, ein Forschungs- und Entwicklungsunternehmen für mehr Bürgerbeteiligung, die Veranstaltung mit. »Mit dem Baumkreuz ist angekreuzt, dass wir uns zu kümmern haben«, sagt Ralf-Uwe Beck. So wie das auch bei der ersten Pflanzung am 18./19. November 1990 hier war. Mit Spitzhacken hatten sie damals mühselig die ersten Bäume gesetzt,

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