Lebenslinie auf dem Todesstreifen
Für mich war die Welt dort hinten zu Ende.« Ralf-Uwe Beck sitzt auf einer Bank inmitten der blühenden Wiese. Weiße Schafgarbe, blaue Kornblumen, silberne Disteln wachsen hier. Der 54-Jährige mit dem Dreitagebart und den wachen graubraunen Augen blinzelt in die Ferne. Dort, wo die Berge hinter dem Tal und der Himmel sich zu berühren scheinen, war der Westen. Da kam er bis zum Mauerfall 1989 nicht hin. Doch die Grenze und der Todesstreifen verliefen auch unmittelbar hier, wo heute diese Bank steht. Ein 400 Meter langer Metallgitterzaun, inzwischen hat er Rost angesetzt, kündet davon. Ebenso wie tausend Linden und ein paar Apfelbäume, die hier inzwischen gepflanzt wurden. Jahr für Jahr am Baumkreuz, das auf der Strecke zwischen Eisenach und Kassel so etwas wie das Herzstück des Grünen Bandes ist. Jenes einzigartigen Biotops, das sich auf einer Länge von knapp 1400 Kilometern an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze durch ganz Deutschland zieht.
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