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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Ich weiche nicht«

Ekin Deligöz (45) ist Abgeordnete der Grünen im Bundestag. Jetzt wird sie von türkischen Nationalisten angegriffen

Die Hassmails, die Beschimpfungen und die Drohungen – klar, das geht alles nicht spurlos an mir vorbei. Natürlich bin ich davon nicht allein betroffen. Denn in ähnlicher Weise werden zurzeit zehn Abgeordnetenkolleginnen und -kollegen mit türkischem Namen und Lebenshintergrund beschimpft.

Aus welchem Grund? Wir haben allesamt Anfang Juni für die Armenienresolution im Deutschen Bundestag gestimmt. Hinter der Resolution stehen gemeinsam die CDU/CSU, SPD und wir Bündnisgrünen – es handelt sich also um etwas übergeordnet Wichtiges, nicht um normale Parteipolitik. Die Resolution ist ein Meilenstein. Denn sie betrauert den Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg und benennt klar die damalige Beteiligung Kaiser-Wilhelm-Deutschlands an dem Völkermord.

Danach brach die Hasswelle los. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan brüllte im Fernsehen, wir türkischstämmigen Abgeordneten im Deutschen Bundestag hätten »minderwertiges Blut« – das ist eine grobe Beleidigung, wie sie unter Vorstadtschlägern in Istanbuler Armenvierteln vorkommt. Erdogan rief, wir seien Vaterlandsverräter – und er mobilisierte die Türken und türkischstämmigen Deutschen in der Bundesrepublik gegen uns. Das heißt: gegen jeden Einzelnen.

Insbesondere in Berlin erhitzte sich die Stimmung. Mehrmals beleidigten mich Taxifahrer auf Türkisch dermaßen, dass ich die Fahrt abbrach und ausstieg. Andere nahmen mich nicht mit, als sie erkannt hatten, wer ich bin. Wegen der Morddrohungen gibt mir die Polizei nun in Berlin Personenschutz. Ich könnte noch viele üble Details aus dem Leben einer gemobbten Abgeordneten aufzählen. Doch: Klagen und Jammern ist nicht angesagt. Denn der Staat – angefangen bei Bundestagspräs