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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2016
Schwester Kuh
Was wir den Tieren schulden
Der Inhalt:

Spiritprotokoll: Kraftvolles Klangfeld

von Eva-Maria Lerch vom 26.08.2016
Der Stimme freien Lauf zu lassen, setzt heilende Kräfte frei: In seinen Kursen erlebt der Gesangslehrer Markus Lemke das immer wieder

Halleluja.« Das alte Wort klingt hier ganz anders. So eigen, total lebendig. Zehn Menschen sitzen mit mir zusammen im Kreis und singen »Halleluja«, nur dieses eine, einzige Wort. Es gibt keine Noten, wir lassen die Töne einfach in uns entstehen, wie sie gerade kommen. Die eine singt das Wort in starken Rhythmen, andere verströmen es in leisen Melodien in hoher Lage. Manche klinken sich bei anderen ein, einer spricht das Wort in verschiedenen Lagen und Betonungen. Und auf ganz eigene Weise wirkt das alles zusammen, entsteht ein kraftvolles Klangfeld.

»Stimme darüber hinaus ...« heißt der Kursus, den ich seit einiger Zeit in meinem Wohnort Bammental bei Heidelberg und verschiedenen Seminarhäusern anbiete. Da singen wir Kraftworte wie »Halleluja« oder »Shalom« oder einfach »Freude«. Wir singen diese Worte immer wieder und lassen unseren Stimmen freien Lauf. Es gibt kein Richtig oder Falsch: Alle Töne sind willkommen und wertvoll. Gerade die schrägen Töne entpuppen sich oft als das Salz in der Klang-Suppe. Und immer machen wir dabei die Erfahrung, wie heilsam dieser freie Gebrauch unserer Stimme ist, wie sehr uns das Singen verbindet und auch zu einer spirituellen Erfahrung wird.

Von Haus aus bin ich Konzertsänger und Diplomgesangslehrer. Ich singe Solopartien als Bassbariton in Oratorien oder bei Liederabenden. Oft werde ich für Bach-Oratorien in Kirchen verpflichtet, zum Beispiel für die Christusrolle in der Matthäuspassion. Konzerte singen ist schön – aber irgendwann habe ich gemerkt, dass es mir nicht reicht, allein dort oben zu stehen und den Leuten was vorzusingen. Und dann habe ich auf einer Reise nach Indien beobachtet, wie die Menschen dort ihre Gebetsketten in der Hand hielten und zu jeder Perle einen Namen oder Klang wiederholten. Das berührte mich sehr. Denn wenn man so einen Namen immer wiederholt und das auch aushält, schwingt im Innern eine Saite an. Man kann das die Seele nennen oder Brahma oder den »inneren Christus«, wie Meister Eckhart sagen würde. Es ist aber nicht wichtig, wie man das nennt. Ich selbst bin protestantischer Christ, aber meine Kurse sind für Menschen aller Weltanschauungen offen.

Für mich war das Singen von Anfang an ein Befreiungsweg: Ich war ein zurückhaltendes, schüchternes Kind, aber mit sechzehn hat mich ein Freund in einen Chor mitgenommen. Der Eingangschor der Matthäuspassion »Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen« wurde für m

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