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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

»Nicht zuständig«

von Peter Otten vom 29.08.2014
Warum Kardinal Joachim Meisner den »Aktionskreis Halle« zu DDR-Zeiten den Repressalien des SED-Regimes aussetzte

Die katholischen Bischöfe in der DDR, vor allem der ehemalige Magdeburger Bischof Joachim Braun und der damalige Vorsitzende der Berliner Bischofskonferenz, Kardinal Joachim Meisner, haben Mitglieder der katholischen basiskirchlichen Initiative Aktionskreis Halle nicht vor staatlicher Drangsalierung geschützt. Zu diesem Ergebnis kommt der Erfurter Kirchenhistoriker Sebastian Holzbrecher in seiner Dissertation. Im Aktionskreis Halle hatten sich katholische Laien und Kleriker zusammengeschlossen, die mit der mangelnden bischöflichen Rezeption der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils in der DDR unzufrieden waren und mehr Mitbestimmungsrechte der Laien forderten.

Derlei politische Aktivitäten stießen sowohl staatlicherseits als auch aufseiten der katholischen Bischöfe auf Misstrauen. »Die Amtskirche nimmt zu diesem Arbeitskreis vor allem deshalb eine ablehnende Haltung ein, weil er seine politischen Ansichten mit einer kritischen Opposition zu innerkirchlichen Vorgängen beziehungsweise mit Reformvorschlägen verbindet, die nicht im Interesse der Bischöfe liegen«, heißt es etwa in einem Dokument aus bischöflichen Kreisen in den 1970er-Jahren.

1984 und 1985 wurden Aktivisten der Gruppe verstärkt von der Staatssicherheit (Stasi) verhört. Dabei kam es zur Androhung von Repressalien. In dieser prekären Situation wandten sich die Sprecher der Gruppe mehrfach an Braun und Meisner, erhielten jedoch nie eine Antwort. Denn beide waren der Ansicht, der Aktionskreis Halle sei keine offizielle katholische Gruppierung. Daher erklärten sie sich als nicht zuständig und schwiegen demzufolge, wie Holzbrecher herausarbeitet.

Doch nicht nur das: Der Historiker stieß auf Stasi-Protokolle, in denen der damalige Magdeburger Dompropst Hans-Peter Gospos darlegte, wie Bischof Braun über den Aktionskreis urteilte: Dieser sei »eine oppositionelle Gruppierung«, die »außerhalb der katholischen Kirche« stehe. In einem anderen Protokoll eines Gesprächs mit Gospos heißt es gar: »Aufgrund des Druckes der Bischofskonferenz will Bischof Braun so schnell wie möglich den Aktionskreis Halle liquidieren.« Holzbrecher spricht von einem »kooperativen Antagonismus« zwischen Kirche und DDR-Staat: Einerseits waren sie Gegner, im Blick auf den Umgang mit dem Aktionskreis Halle trafen sich andererseits ihre dunklen I

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