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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

Die Angst der Männer

von Johanna Jäger-Sommer vom 29.08.2014
Eine Frau will auf der Trierer Bistumssynode über den Wandel der Geschlechterrollen diskutieren – und hat am Ende Erfolg

Publik-Forum: Frau Barg, am Ende der Zweiten Vollversammlung der Trierer Synode haben Sie gefordert, dass auch das Thema ›Wandel der Geschlechterrollen und die daraus resultierenden Folgen für ein verändertes Familienbild‹ behandelt werden solle. Warum?

Beate Barg: Seit der Ersten Vollversammlung hatte eine Gruppe von Synodalen an zwei Arbeitstagen bereits zu diesem Thema gearbeitet. Aber als dann vom Geschäftsführenden Ausschuss der Synode die Sachkommissionen zu den einzelnen Themen vorgestellt wurden, war der ›Wandel der Geschlechterrollen‹ auf einmal weg. Für mich aber ist dieses Phänomen eines jener »Zeichen der Zeit«, mit denen sich die Synode befassen sollte.

Wer hatte denn Ihrer Meinung nach Interesse daran, das Thema fallen zu lassen?

Barg: Das Thema löst Ängste aus. Denn wenn radikale Protagonistinnen wie die US-amerikanische Philosophin Judith Butler die These aufstellen, dass das Geschlecht nicht biologisch bedingt ist, sondern sozial und kulturell konstruiert wird, dann stellt das natürlich die Welt auf den Kopf. Erst recht die Welt der Männer, denn dann geht es an ihre Privilegien.

Die alte Geschlechterwelt steht aber doch schon lange auf dem Kopf!

Barg: Wir müssen zunächst genau wahrnehmen, worum es in der Geschlechterdebatte geht. Ich möchte mich mit dem Zusammenspiel von biologischem und sozialem Geschlecht beschäftigen. Was ist konstruiert und muss überwunden werden? Und was ist unwiderruflich von Natur aus da?

Es geht bei dem Thema um mehr als die Beziehung von Frauen und Männern?

Barg: Ja, die Themen Homosexualität, Transsexualität, Intersexualität sind mir ebenfalls wichtig. Aber es hat mich doch verblüfft, wie wenig unsere Synodalen von dieser Diskussion wussten. Bei der Beschäftigung mit Geschlechterfragen und der Geschlechtergerechtigkeit hat die katholische Kirche Nachholbedarf. Im Lauf der Diskussion über meinen Antrag in der Vollversammlung zeigte es sich, wie wichtig es war, dass bei der Zusammensetzung der Synodalen darauf geachtet wurde, dass möglichst viele Frauen dabei sind.

Warum?

Barg: Ich habe in den Sitzungen der Arbeitsgruppe gemerkt, dass sich die Frauen mit der

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