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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2011
Auf Leben und Tod
Streit um die Organspende
Der Inhalt:

Wenn Jesus zum Dogma wird

von Norbert Copray vom 23.08.2011
Analyse und Therapie des kirchlichen Christentums

Hubertus Halbfas Glaubensverlust Warum sich das Christentum neu erfinden muss. Patmos. 128 Seiten. 9,90 €

Wer hat mit diesen wenigen Sätzen die heutige Sackgasse des christlichen Glaubens markiert: »Selbstgemachter und so schuldhafter Skandal ist es, wenn unter dem Vorwand, die Unabänderlichkeit des Glaubens zu schützen, nur die eigene Gestrigkeit verteidigt wird«? Es war der Theologieprofessor Joseph Ratzinger, jetzt Papst Benedikt XVI., der heute alles unternimmt, um den von ihm kritisierten Skandal selbst zu verfestigen. Das Zitat stellt Hubertus Halbfas seinem neuen Buch »Glaubensverlust« voran und bringt damit die aktuelle Krankheit des Kirchenchristentums auf den Punkt.

Halbfas hat sich vor allem um eine moderne (katholische) Religionspädagogik und mit drei umfassenden Büchern über Christentum, Glaube und Bibel um eine wahrhaftige Sicht des Christentums verdient gemacht. Er legt nun ein fulminantes Buch vor. Mit analytischem Blick und prophetisch-kritischer Perspektive plädiert er für nichts Geringeres als eine Renaissance des Christentums im ursprünglichen Sinn des Wortes. Er deckt treffsicher auf, warum die Glaubenssprache den heutigen Menschen weithin unverständlich ist. Und wie sie diejenigen, die sie zu verstehen glauben, in die Irre führt.

Angelpunkt der Misere des Christentums sei die fast völlige Verdrängung des Lebens und des konkreten Beispiels Jesu durch die von Paulus in Gang gesetzte Theologie. Sie mache anstelle des von Jesus verkündeten Anbruchs des Reiches Gottes, das sich im menschlichen Handeln widerspiegeln kann und soll, Jesus selbst als Christus zum Dogma und so zum eigentlichen Inhalt des Glaubens. Zwischen dem verkündenden und dem verkündeten Jesus klaffe so ein garstiger Graben, »ein Loch«, wie Halbfas schreibt, das sich seitdem in der offiziellen Glaubens- und Kirchengeschichte durchgesetzt habe. Es führe zu einer Betonung von Bevormundung, Herrschaft und reiner Lehre anstelle einer guten Praxis.

Das Dogma gegen Kritik und Veränderung immun und damit zur selbst gedeuteten Legitimation kirchlicher Herrschaft zu machen sei das hauptsächliche Bestreben des Lehramtes, das in dauernder Selbsterhöhung dazu auffordere, das Reich Gottes mit der Kirche, den Glauben mit Gehorsam und Liebe mit Fügbarkeit zu verwechseln. So werde aus dem Glauben Ideologie. Das Leben Jesu sei nicht meh

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