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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2011
Auf Leben und Tod
Streit um die Organspende
Der Inhalt:

Verraten und verkauft

von Monika Herrmann vom 23.08.2011
Olga wurde von einem Menschenhändler nach Deutschland und dann in ein Bordell verschleppt. Sie hat keinen Pass, kein Geld, keine Rechte – und viel Angst

Olga entschuldigt sich für ihr »schlechtes Deutsch«. In Berlin fällt das nicht weiter auf. Hier sprechen viele Menschen nur »schlechtes Deutsch«. Olga ist 25. Ihre Heimat ist Bulgarien. Seit über einem Jahr lebt sie in Berlin. »Warum ich jetzt in Deutschland bin? Ich wurde von meiner besten Freundin verkauft. Und zwar an einen Menschenhändler«, erzählt Olga in einem kleinen Café. Ihren richtigen Namen will sie nicht nennen. Sie hat große Angst: vor ihrem Zuhälter, der jetzt über ihr Leben bestimmt, der sie von Bordell zu Bordell schleppt, wo Olga als Prostituierte arbeiten muss. Der Zuhälter sei noch ziemlich jung, erzählt sie, und gehöre zu einem international organisierten Ring von Menschenhändlern, der Frauen skrupellos ausbeutet und sie zur Sexarbeit zwingt. »Abends gegen 18 Uhr beginnt meine Schicht, und sie dauert bis morgens um sechs«, berichtet Olga. »Ich denke nicht mehr nach, wenn ich mit den Männern aufs Zimmer gehe, ich mache das, was sie wollen, ich bin dann wie tot.«

Das Geld, das die Männer Olga für ihre »Dienstleistung« auf den Tisch legen, muss sie zum allergrößten Teil an ihren Zuhälter abliefern. »Er sagt, ich hätte Schulden bei ihm, er habe schließlich für meine Reise nach Berlin viel Geld bezahlt, und diese Schulden muss ich abarbeiten. Mir bleiben ein paar Euro am Tag.« Zusammen mit anderen Frauen, die ebenfalls zur Prostitution gezwungen werden, lebt die junge Bulgarin in einer engen Wohnung. Abends werden die einen in Autos geladen und in die Bordelle gefahren, morgens die anderen an die Kurfürstenstraße gebracht, wo sie auf Berlins längstem Straßenstrich arbeiten müssen. Alles wird streng kontrolliert.

Als ihre beste Freundin vor rund einem Jahr von einer Arbeitsstelle in Deutschland schwärmte, von einem Hotel, in dem Frauen gutes Geld verdienen würden und mit vielen netten Menschen in Kontakt kämen, wurde Olga neugierig. Deutschland gehört schließlich zur EU, dachte sie, und so weit weg ist es auch nicht. »Ich war arbeitslos und dachte: Endlich mal eigenes Geld verdienen und die Familie unterstützen, das ist doch gut. Die Freundin stellte mich dann einem jungen Mann vor, der für die Reise nach Berlin sorgte. Zusammen mit zehn anderen jungen Frauen fuhren wir los, in Tschechien stiegen dann noch einmal acht weitere Frauen in den Bus. An der Grenze mussten alle ihre Pässe abgeben, auch die Handys. Wir wunderten uns zwar darüber, aber vertrauten immer noch diesem j

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