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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2011
Auf Leben und Tod
Streit um die Organspende
Der Inhalt:

Das gläserne Baby

von Andrea Teupke vom 23.08.2011
Krank oder gesund? Untersuchungen an Ungeborenen liefern immer präzisere Antworten. Doch Gewissheit birgt neue Fragen

Es ist nur ein kleiner Einstich. Eine Blutprobe der Schwangeren genügt, um die Erbanlagen des ungeborenen Kindes zu untersuchen. Geschlecht, Blutgruppe und viele andere angeborene Merkmale lassen sich im Labor bestimmen – und das schon in der zehnten Schwangerschaftswoche. Was so klingt, als sei es der Fantasie von Science-Fiction-Autoren entsprungen, ist mittlerweile machbar: Im Blut der Mutter schwimmen genügend Eiweißmoleküle, die Erbsubstanz des Fötus enthalten. Mittels neuester Technik können Genlabore innerhalb weniger Tage herausfinden, »ob mit dem Baby alles in Ordnung ist«, wie es häufig euphemistisch heißt. Spätestens Anfang des nächsten Jahres soll der erste Frühtest auf Trisomie 21 (Downsyndrom) in Deutschland auf den Markt kommen.

Für Wissenschaftler und Mediziner ist das ein gewaltiger Fortschritt; einige sprechen gar vom »heiligen Gral der Pränataldiagnostik«. Gleichzeitig wirft die neue Technik ethische Probleme auf, die kaum lösbar sind. Wer kann garantieren, dass es bei dieser einen Diagnose bleibt? Und soll ungeborenes Leben überhaupt klassifiziert und bewertet werden?

Für die betroffenen Frauen bedeutet das nichtinvasive Verfahren zunächst eine gewaltige Erleichterung: Statt bis zum vierten oder gar fünften Schwangerschaftsmonat die Ungewissheit ertragen zu müssen, statt sich eine Kanüle durch Bauchdecke und Gebärmutter stechen zu lassen – und dabei das Risiko einer Fehlgeburt einzugehen – erfahren Schwangere das Ergebnis noch innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen. Also zu einem Zeitpunkt, wo die Schwangerschaft für viele Frauen noch eine eher abstrakte Vorstellung ist, wo sie noch keine Kindsbewegungen spüren und wo ein Abbruch auch ohne medizinische Indikation möglich ist.

Für die Firmen, die den Test auf den Markt bringen wollen, ist es eine gewinnversprechende Investition. Schließlich lassen bereits heute jährlich mehr als 30 000 Frauen allein in Deutschland eine Fruchtwasseruntersuchung vornehmen. Schwangeren über 35 Jahren wird die Untersuchung empfohlen und von der Krankenkasse bezahlt. Eine gefahrlose und dazu kostengünstigere Untersuchung würde sicherlich noch häufiger in Anspruch genommen werden. So laufen in den USA bereits Planungen, den Test allen, also auch jüngeren Schwangeren anzubieten.

Gefahrlos? Kritiker stoßen sich an dieser Beschreibung. Denn das Do

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