Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2019
War Goethe Muslim?
Fasziniert vom Islam: 200 Jahre West-östlicher Divan
Der Inhalt:

Buchbesprechungen

vom 09.08.2019

Daniel Goffart
Das Ende der Mittelschicht
Berlin Verlag. 400 Seiten. 22 €

Wie einst »Big Oil« so gelte es heute »Big Data« zu zerschlagen. Vorab entwirft der Rechtsanwalt und Journalist Daniel Goffart schon mal einen Gesellschaftsvertrag für eine digitale Zukunft. Doch leider: Obschon die Leute um die negativen Folgen der Technik-»Revolution 4.0«, wie auch des Klimawandels, wüssten, zögen sie aus Bequemlichkeit keine Konsequenzen. Oder die falschen, getragen von aufgepeitschten Meinungen, die an die Phase vor dem Ersten Weltkrieg erinnerten, oder getragen von einer Panik wie um 1930. Eine sich absetzende Geldelite treibe Mittel- und Unterschicht tiefer hinein in prekäre Beschäftigung, ja, in einen digitalen Feudalismus, der Selbstbestimmung, soziale Sicherheit und Demokratie allmählich ersticken werde. Derweil trieben amerikanische Internetgiganten und chinesische Industriepolitik das uneinige Europa vor sich her – mit einem Geschäftsmodell, das sittenwidrig private Daten ausschlachte. Nicht klar wird, auf wen der Focus-Korrespondent künftig setzt: auf den alten Mittelstand (Ludwig Erhard) oder die neue Unterschicht (Karl Marx). Letztlich wohl auf (aus-)gebildete Bürgerinnen und Bürger. Ernst Rommeney

Dirk Jörke
Die Größe der Demokratie
Suhrkamp. 282 Seiten. 18 €

»Rettet den Nationalstaat« – etwas flapsig könnte man dem Buch auch diesen Titel geben. Denn der Darmstädter Politikwissenschaftler Dirk Jörke sagt, nur der Nationalstaat sei demokratiefähig – wegen seiner überschaubaren Größe und seiner relativ homogenen Bevölkerung. Nur er könne politische Teilhabe garantieren und erfolgversprechend soziale Gleichheit anstreben. Jörke fordert deshalb, Kompetenzen, die auf die supranationale Ebene verschoben wurden, teilweise zurückzuholen. Auch in Europa geht ihm die Supranationalität zu weit, zumal sie vor allem dem Neoliberalismus diene. Im Gegensatz zu Jürgen Habermas und anderen empfiehlt er nicht den Aus-, sondern den Rückbau der EU. In einer »Konföderation« könnten die Nationalstaaten Wirtschaft und Finanzen wieder selbst bestimmen und notfalls zu eigenen Währungen zurückkehren. Glühende Europäer werden da kaum zustimmen. Trotzdem sollten sie sich mit Jörkes ideengeschichtlich fundierter Argum

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen