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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2018
Himmlische Klänge
Musik als spirituelle Kraft der Religionen
Der Inhalt:

»Glaube an einen perfiden Plan«

von Thomas Gesterkamp vom 10.08.2018
Warum Verschwörungstheorien so populär sind und was man dagegen tun kann, erläutert Professor Michael Butter

Publik-Forum: Sind Verschwörungstheorien derzeit besonders populär oder trügt der Schein?

Michael Butter: Auch wenn es sich so anfühlen mag, leben wir nicht im goldenen Zeitalter der Verschwörungstheorien. Die aktuelle Renaissance hängt einerseits mit dem Erstarken populistischer Bewegungen zusammen, andererseits spielt das Internet eine entscheidende Rolle. Das Netz macht solche Theorien wieder sichtbarer und führt dadurch auch zu einem Anstieg an »Gläubigen». Der ist aber nicht so rapide, wie es uns manchmal vorkommt. Verglichen mit der Zeit vor hundert oder zweihundert Jahren glauben heute weniger Menschen an Verschwörungstheorien.

Was ist eine Verschwörungstheorie?

Butter: Es gibt drei Kennzeichen. Erstens: der Glaube, nichts geschehe durch Zufall. Das heißt, man glaubt an eine im Geheimen operierende Gruppe, die Verschwörer, die alles, was geschieht, geplant haben. Zweitens: Nichts ist, wie es scheint. Das heißt: Man muss unter die Oberfläche schauen, um die wahren Verhältnisse zu erkennen. Tut man das, dann erkennt man als drittes: Alles, oder fast alles, ist miteinander verbunden. Die Einführung des Euro, Gender Mainstreaming und die Flüchtlingskrise erscheinen dann als Teil eines perfiden Gesamtplans.

Seit wann gibt es Verschwörungstheorien?

Butter: Die ersten Verschwörungstheorien entstanden irgendwann zwischen Früher Neuzeit und Aufklärung. Denn erst da sind die notwendigen Bedingungen gegeben: ein Menschenbild, das Menschen entsprechende Handlungsfähigkeit zuschreibt, eine lesende Öffentlichkeit, in der solche Theorien zirkulieren können, und der Buchdruck, der es erlaubt, die entsprechenden Texte zu verbreiten. Zunächst spielen in den Szenarien noch Gott und der Teufel eine große Rolle, aber ab dem 18. Jahrhundert finden wir die üblichen Verdächtigen, um die es auch in der Gegenwart noch oft geht, zum Beispiel den Geheimbund der Illuminaten oder die Freimaurer.

Hat die stärkere Verbreitung von Verschwörungstheorien mit dem Nachlassen religiöser Bindungen zu tun?

Butter: Historiker begründen das so, mit der Säkularisierung. Einst glaubten die Menschen an eine göttliche Instanz, die alle Fäden in der Hand hält. Das fällt mit der Aufklärung zunehmend weg. Zu

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