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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2017
Was ist eine christliche Ehe?
Ein evangelisch-katholischer Disput
Der Inhalt:

Die keinen Müll macht

von Anne Lemhöfer vom 11.08.2017
Die Kalifornierin Bea Johnson versucht zu leben, ohne Abfall zu produzieren. Und fliegt mit einem Einmachglas um die Welt

Als Bea Johnson beschloss, ohne Müll zu leben, war sie umgeben von Dingen. Sie wohnte mit ihrem Mann Scott und den Söhnen Max und Leo in einem 280 Quadratmeter großen Haus in Pleasant Hill, einem entfernten Vorort von San Francisco – und lebte den amerikanischen Traum schlechthin. Das Haus hatte begehbare Kleiderschränke und eine Dreifach-Garage. Die Familie besaß zwei Autos, vier Tische und 26 Stühle, einen Plasmafernseher und einen Hund. Sie bestückte zwei große Kühlschränke und füllte mehrmals die Woche eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner in Industriegröße. »Das Leben zog ohne Anstrengungen an uns vorbei«, erinnert sich Bea Johnson. Johnson, Anfang dreißig zu dem Zeitpunkt, ließ sich platinblondes Barbie-Haar färben, die Haut künstlich bräunen, die Lippen aufspritzen und Fingernägel aus Acryl modellieren. 2007 war das.

Weniger als ein Kilo Müll im Jahr

Zehn Jahre später, im Frühjahr 2017, läuft eine Frau durch Frankfurt am Main, der man eine Vergangenheit als Pfadfinderin sofort glauben würde. Sie ist noch immer schlank und wirkt gepflegt, doch auf eine Weise, wie man es auch nach einem ausgedehnten Campingurlaub sein könnte. Sie lächelt ihr Gegenüber offen an. »Hallo, ich bin Bea.« Bea Johnson ist der Typ Frau, den sich andere Frauen als beste Freundin wünschen. Die gebürtige Französin spricht Englisch mit einem deutlich hörbaren Akzent, kokettiert auch mit ein paar Brocken Deutsch. Ohnehin ist die Fähigkeit zur Selbstironie einer der Charakterzüge, die sie auszeichnen – und vielleicht der Grund, weswegen sie nicht nur als missionarisch empfunden wird. Sondern als sympathisch. »Mein altes Leben fühlte sich völlig überfrachtet an. Ich hatte das Gefühl, nicht mehr richtig atmen zu können.«

Bea Johnson ist 43 Jahre alt. Die ehemals begeisterte Konsumentin kostspieliger Dinge ist heute eine Radikale, wenn man so will. Sie ist die wohl bekannteste Pionierin der Zero-Waste-Bewegung. Zero Waste bedeutet: kein Müll. Zumindest: fast keiner. Bea Johnson reist mit einem Einmachglas um die Welt. Ein paar Käse-Etiketten stecken darin. Borsten von Zahnbürsten. Rasierklingen von Ehemann und Söhnen. Für dieses Einmachglas ist sie berühmt. Der Haushaltsabfall, den sie jedes Jahr produziert, wiegt kaum ein Kilo. Er steckt komplett in dem hübschen Glas in Retro-Optik. Nicht mit eingerechnet ist nur das Toilettenpapier. Den von Mutte

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