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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2017
Was ist eine christliche Ehe?
Ein evangelisch-katholischer Disput
Der Inhalt:

Anarchie des Alters

Kurzgeschichten. Die Frauen und Männer in Margaret Atwoods Kurzgeschichten-Band »Die steinerne Matratze« sind in die Jahre gekommen, geben sich aber wenig Mühe, niedliche Omas und Opas zu mimen: Sie sind unausgeglichen, haben Rachefantasien und sind ziemlich vulgär. Außerdem werden sie von ihrer Vergangenheit verfolgt. Eine ansonsten freundliche Fantasy-Autorin sperrt ihren ehemaligen Geliebten gedanklich in ein Fass. Ein greiser Autor sieht Potenz und Ruhm schwinden, benimmt sich vor jungen Frauen ziemlich daneben und trauert heimlich seiner Jugendliebe nach. Eine vulgäre Zynikerin (sie und ihr Zwillingsbruder gehören zu den gelungensten Charakteren und liefern sich unterhaltsame Wortgefechte) will auf einer Beerdigung eigentlich »’ne Runde gaffen«, sorgt dann aber für eine rührend erlösende Abschlussszene.

Eindrucksvoll ist auch die titelgebende Geschichte »Die steinerne Matratze«. Verna trifft auf einer Kreuzfahrt einen Mann wieder, der vor über fünfzig Jahren ihr Leben zerstört hat. Sie beschließt, ihn zu ermorden, denn: »Es war Bob, der sie – sprechen wir’s ruhig aus – zur Mörderin gemacht hatte.«

Bei all den schwarzhumorigen Geschichten voller Verrat, Sex, Rache, Gier erscheint es auf den ersten Blick ironisch, dass der kanadischen Schriftstellerin vor Kurzem der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2017 zuerkannt wurde. »Indem sie menschliche Widersprüchlichkeiten genau beobachtet, zeigt sie, wie leicht vermeintliche Normalität ins Unmenschliche kippen kann«, heißt es in der Begründung. Spätestens bei der letzten, beunruhigend gelassen erzählten Geschichte »Fackelt die Alten ab« bleibt das Lachen im Halse stecken. Dass Margaret At