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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2013
Die Andersleute
Haben die Orden noch eine Zukunft?
Der Inhalt:

Die Hoffnung stirbt zuletzt

von Thomas Seiterich vom 16.08.2013
Burundi, Ruanda, Ostkongo: Ausgebeutet, unterdrückt, geschunden durch Kriege – und doch glauben die Menschen an eine bessere Zukunft. Eine Reise in das »Herz der Finsternis«

Lass alle Hoffnung fahren! So oder ähnlich lautet die Reaktion, wenn die Dauerkrise Zentralafrikas thematisiert wird. Der Abenteuerschriftsteller Joseph Conrad klebte Zentralafrika und dem angrenzenden Kongobecken mit dem Roman Heart of Darkness, »Herz der Finsternis«, 1899 das Negativ-Etikett auf, das leider noch heute klebt.

Fakt ist: Der Ostkongo bildet nach über zwei Jahrzehnten Krieg mit rund zwei Millionen getöteter Zivilisten das große Massengrab des afrikanischen Kontinents. Die kleine Bergrepublik Ruanda, nach außen ein mächtiger Militär- und Ordnungsstaat, erholt sich im Innern nur schwer vom Trauma und Grauen des Genozids an der ruandischen Tutsi-Bevölkerung. 1994 machten vom Hass-Radio Mille Collines aufgehetzte Hutu und ihre Milizen gegen Tutsi mobil. Eine Million Mitbürger starben, drei Viertel aller damals in Ruanda lebenden Tutsi.

Und das – wie Ruanda übervölkerte – agrarische Hügelland Burundi rangiert im Human Development Index (HDI 2011) auf Rang 185, als zweitärmste Nation der Erde vor dem erdbebengeschädigten Haiti. Der Staat lebt vom Schmuggel aus dem Kongo und von Budgethilfen der Europäischen Union. Korruption grassiert.

Aktuell dümpelt Burundi unbeachtet von der Welt vor sich hin. Besteht die Gefahr eines neuen Bürgerkrieges? Viele solcher Kriege hat der Kleinstaat seit der Unabhängigkeit 1962 schon hinter sich, mit mehr als 250 000 getöteten Zivilisten.

Frau Präsidentin und die Schuhe

Ein Franzose benötigt drei Tage, bis er das Visum für Ruanda erhält. Deutsche reisen gänzlich ohne Visum ein – nur die Belgier müssen 21 Tage warten vom Antrag bis zum Erhalt des Visums. Weshalb? Die Gemahlin des seit April 2000 herrschenden Staatspräsidenten Ruandas, Paul Kagame, wurde auf dem Brüsseler Airport genötigt, beim Sicherheits-Check ihre Schuhe auszuziehen. So wie alle übrigen Reisenden auch. Madame Kagame protestierte und protestierte. Es half nichts. Staatspräsident Kagame, Kriegsheld, Wahlsieger und Wahlmanipulator, reagierte. Er rächt die Schmach mit der Verfügung, dass Belgier nun 21 Tage auf ihr Visum warten müssen. Diese kleine Geschichte erzählt viel darüber, wie in der »Demokratur« Ruanda regiert wird.

In den Augen der USA, der Europäischen

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