Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2019
Homosexualität und Kirche
Wo ist das Problem?
Der Inhalt:

Überall wird Hass geschürt

vom 26.07.2019
Davis Mac-Iyalla ist katholischer Christ und lebt offen schwul

Die Kirche wusste, dass ich schwul bin. Es war ein offenes Geheimnis. Vor meinem Coming-out sang ich im Chor, war Mitglied der Synode und auch sonst gut in der Kirche integriert. Zu dieser Zeit war ich Lehrer. Die Leute sahen meine Leistungen mehr als meine Sexualität. Solange ich nicht offiziell darüber sprach, schien das für niemanden ein Thema zu sein. Die Probleme begannen 2005, weil ich damals öffentlich die religiösen Führer dafür kritisierte, wie sie mit Homosexuellen umgehen. Ich wollte mit meiner Meinung nicht mehr länger hinter dem Berg halten. Der einzige Weg nach vorne schien mir, klar und offen gegen Diskriminierung und Kriminalisierung von Homosexualität einzutreten. Doch damit setzte ich mich einer Reihe von gewalttätigen Angriffen aus. Ich wurde verprügelt, beleidigt, ausgeschlossen. Statt mich zu schützen, sagten die Kirche und meine Gemeinde, ich könne nicht mehr Mitglied sein, weil das, was ich tat, böse sei und ich in die Hölle kommen würde.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 14/2019 vom 26.07.2019, Seite 30
Homosexualität und Kirche
Homosexualität und Kirche
Wo ist das Problem?

Es gab so viele Momente, in denen ich mir gewünscht habe, dass der Boden sich öffnet und mich verschlingt. Ich bin ein Mensch wie jeder andere, mein Herz ist nicht aus Stein. Ich hatte Momente, in denen ich mir wünschte, nie geboren zu sein. Immer wieder habe ich Gott gefragt: »Warum hast du dich entschieden, mich so zu machen, dass ich so leiden muss?«

Viele unserer religiösen Oberhäupter – aller Religionen – stellen Homosexuelle als Bedrohung dar. Da die religiösen Anführer in Nigeria großen Einfluss auf die Medien haben, erreichen sie auch nichtgläubige Menschen. Dadurch wird überall im Land Hass geschürt. Ich hoffe, dass die Gesetze bald geändert werden und Homosexualität nicht mehr als Straftat gilt. Parallel müssen wir daran arbeiten, Einstellungen der Menschen zu verändern.

Manche Menschen kommen nicht gerne in meine Nähe. Aber ich sehe die Kirche als einen Ort für alle, deshalb möchte ich meinen Platz nicht unbesetzt lassen.