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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2019
Homosexualität und Kirche
Wo ist das Problem?
Der Inhalt:

»Tiere geben dir Liebe, wie Menschen es nicht können«

von Michaela Schneider vom 26.07.2019
Auf dem Gnadenhof »Gut Harmony« kümmern sich Menschen, die es im Leben nicht leicht haben, um alte Pferde, Schweine und Ziegen. Das tut beiden gut: den Tieren und den Menschen

Mit einer Hand streichelt die junge Frau dem struppigen Pferd über den Hals, mit der anderen Hand zupft sie ihm Fellbüschel aus. Das Pferd ist so alt, dass es den Fellwechsel nicht mehr aus eigener Kraft schafft. Geduldig hilft ihm Denise dabei. Seit sich die junge Frau mit den kurzen, blond gefärbten Haaren um die Tiere auf »Gut Harmony« – einem Gnadenhof für alte Nutz- und Haustiere – kümmert, hat sich ihr Leben verändert.

Ein Gettokind sei sie gewesen, sagt Denise. »In fast jeden Satz habe ich eine Beleidigung eingebaut.« Glauben kann man dies kaum, lernt man die junge Frau Anfang zwanzig kennen. Höflich und offen geht sie mit Menschen um, liebevoll mit den Tieren. Eine dramatische Vergangenheit mit Missbrauch, Gewalt und traumatischen Erlebnissen liegt hinter ihr. Das ließ das Vertrauen der jungen Frau in Menschen zerbrechen. Sie wurde krank, verletzte sich selbst, wurde in der Psychiatrie behandelt.

Nach einer Gesetzesübertretung leistete Denise die Sozialstunden, die ihr das Gericht auferlegt hat, auf dem privat finanzierten Gnadenhof im unterfränkischen Veitshöchheim ab. Die Zeit ist inzwischen vorbei, doch sie blieb. Der Umgang mit den Tieren tut ihr gut. Sechs Pferde, drei Ziegen, zwei Schweine, zwei Hasen und eine Katze leben derzeit auf dem Gelände. Fünf Tage die Woche verbringt Denise den Vormittag dort, mistet Ställe aus, versorgt die Tiere mit Wasser und Futter und verteilt viele, viele Streicheleinheiten. Die Arbeit hat das »Gettokind« in eine junge Frau mit Ausstrahlung und Zukunftsplänen verwandelt. Derzeit sucht sie einen Praktikumsplatz und strebt eine Ausbildung als Tierpflegerin an.

Zu dieser positiven Entwicklung hat Hofleiterin Nicole Kanclerski beigetragen: mit viel Geduld, aber zuweilen auch deutlichen Worten. Auch Nicole Kanclerski wuchs in schwierigen Verhältnissen auf. »Ich musste als Kind ganz viel Negatives erfahren«, sagt sie. »Aber ich hatte immer auch ganz liebe Menschen um mich. Und ich merkte früh, was Helfen bewirken kann.« Das strahlt sie aus.

Weil sie sehbehindert ist und weniger als 13 Prozent Restsehvermögen hat, zog die gebürtige Hannoveranerin im Jahr 2002 nach Veitshöchheim, um dort am Berufsförderungswerk an einer Umschulung zur Bürokauffrau teilzunehmen. Sie blieb in der fränkischen Kommune am Main hängen, fand ihre Liebe und erfüllte sich einen Kindheitstraum: »Ich wollte immer einen Hof mit Ti

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