Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2019
Homosexualität und Kirche
Wo ist das Problem?
Der Inhalt:

Die Mär vom nachhaltigen Plastik

von Viola Rüdele vom 26.07.2019
Bioplastik – das klingt nach einer guten Idee. Aber was steckt dahinter?

Wie groß das Plastikproblem tatsächlich ist, sieht man am besten im Pazifik. Dort sammelt sich Plastik auf einer Fläche, die dreimal so groß ist wie Frankreich. Und da Plastik Jahre braucht, um zu verrotten, wird die Fläche in den nächsten Jahren weiter anwachsen. Um dem entgegenzuwirken, haben Länder wie Kenia, Ruanda und Tansania bereits Plastiktüten verboten. Auch die Supermarktkette Aldi verlangt in Deutschland seit Kurzem einen Cent pro Tüte.

»Ganz ohne Plastik geht es nicht. Viele Lebensmittel können sonst nicht transportiert werden und wären viel kürzer haltbar«, sagt Friedrich von Hesler von Novamont. Das italienische Unternehmen stellt deshalb Bioplastik her. Als Pionier auf diesem Gebiet hat der Konzern bereits 1992 den ersten Bio-Abfallsack in der EU entwickelt. Heute gehören außerdem Obsttüten, Mulchfolien für die Landwirtschaft und Einmalgeschirr zu seinen Produkten.

Friedrich von Hesler, Sales Manager der Novamont-Filiale in Eschborn, sagt: »Die Biokunststoffe, die wir herstellen, sind qualitativ genauso hochwertig wie herkömmliches Plastik. Für dieses wird Erdöl verwendet. Da das derzeit so billig ist, sind unsere Produkte teurer.« Neben fossilen Stoffen besteht das Bioplastik von Novamont aus Zucker, Maisstärke und Distelöl.

Doch das ist nicht überall so. Denn Bioplastik ist kein geschützter Begriff. Unterschieden wird zwischen zwei Arten. Sogenannte biobasierte Kunststoffe werden aus nachwachsenden Rohstoffen – wie Kartoffeln oder Holz – hergestellt. Zum anderen kann mit dem Begriff Bioplastik gemeint sein, dass das Plastik nach der Verwendung kompostierbar ist. So verstanden, kann mitunter auch Mineralöl beigemischt sein. Was in Bioplastik also wirklich drin ist, können Verbraucher nur durch intensive Recherche oder anhand von Siegeln erfahren. Und da wartet schon das nächste Problem: Verlässliche Siegel wie das OK compost-Siegel vom Tüv Austria gibt es wenige. Außerdem weisen diese meist nur nach, dass die Produkte abbaubar sind.

Bioplastik verrottet nur langsam

Solche kompostierbare Biotüten klingen nach einer guten Idee: Erst können Kunden darin ihre Waren einpacken, dann ihren Biomüll darin sammeln, und schließlich verrottet alles zusammen im Kompost. Doch Recyclinghöfen in

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen