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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2019
Homosexualität und Kirche
Wo ist das Problem?
Der Inhalt:

Buch des Monats: Obwohl kein Schuss fällt

von Norbert Copray vom 26.07.2019
Das Streben nach mehr Wohlstand führt zu einer unsicheren Welt

Nils Ole Oermann/Hans-Jürgen Wolff
Wirtschaftskriege
Geschichte und Gegenwart.
Herder. 272 Seiten. 24 €

Ist Donald Trump ein Symptomträger oder ein Auslöser davon oder gar jemand, der ihn auf die Spitze treibt: einen Wirtschaftskrieg? Das Wort ist so unangenehm wie die Wirklichkeit, die es bezeichnet. Denn es stellt infrage, was vielen wichtig ist: in Sicherheit produzieren, Handel treiben, Gewinne machen, neue Märkte erobern – ein entscheidendes Wort, eine entscheidende Zielsetzung: erobern! Zuerst die Eroberung von unbesetzten Produktions-, Handels- und Konsumgeländen, dann der Kampf um die verbliebenen Ressourcen, Territorien und Kunden. So scheint es. Maßgeblich ist oft das tatsächliche oder vorgeschobene nationale Sicherheitsinteresse.

Nils Ole Oermann, Professor für Wirtschaftsethik und Politikberater, und Hans-Jürgen Wolff, Jurist, zuletzt als Chef des Bundespräsidialamtes und inzwischen als Berater tätig, unterscheiden in ihrem Buch »Wirtschaftskriege« drei Arten von Wirtschaftskrieg. Wirtschaftskriege, in denen Krieg für ein wirtschaftliches Ziel eingesetzt wird. Wirtschaftskriege, in denen eine tatsächliche oder vermutete Kriegswirtschaft bekämpft wird, um sie am Erfolg zu hindern. Die Autoren selbst nehmen für ihr Buch den Begriff Wirtschaftskrieg nur in Anspruch, wenn er »1. von einem Staat oder in seinem Auftrag oder mit seiner Billigung oder Duldung geführt wird, und 2. strategische politische Ziele verfolgt werden, die 3. sich feindselig gegen mindestens einen anderen Staat richten«. Das klinge nach einem »hölzernen Eisen«, denn es falle kein Schuss. Gleichwohl gibt es analoge ökonomische Strategien von protektonischen Maßnahmen über Sabotagen und Spionage bis zu Eingriffen in die globale Finanzarchitektur. Da fallen einem nicht nur gleich aktuelle Beispiele ein wie USA-Iran, USA-China, USA-EU, USA-Russland, USA-Nordkorea, USA-Mexiko, sondern auch etwa EU-Russland und EU-Afrika.

Die Autoren stellen auch die lange Geschichte von Wirtschaftskriegen dar. Sie erinnern etwa an Aktivitäten des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, der zusammen mit Wirtschaftsmaßnahmen der USA und der Unterstützung paramilitärischer Gruppen für den Sturz linker Regime in Südamerika oder zur Etablierung rechter Regime sorgte. Oermann und Wolff bieten eine exzellent geschriebene, fundierte politische Analyse mit wirtschaftsethisch

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