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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
Der Inhalt:

Rätselhafte Ruine am See Genezareth

Mainzer Wissenschaftler restaurieren islamischen Palast mitten in Israel

Wenn es damals, Ende des 19. Jahrhunderts, nicht dieses Missverständnis gegeben hätte, dann würde heute der Archäologe Hans-Peter Kuhnen nicht mehrmals im Jahr von Mainz zum See Genezareth reisen. Denn ohne dieses Missverständnis hätte man bis heute nicht verstanden, welche Bedeutung die wuchtigen Ruinen haben, die als »Khirbat al-Minya« bekannt sind. Sie liegen am Nordufer des Sees. Als europäische Forscher sie im 19. Jahrhundert entdeckten und keine Hinweise auf spätantike Kirchen oder Synagogen fanden, schlossen sie, dass es sich um die Reste Kafarnaums handeln müsse. Jenes Fischerdorfs, in dem Jesus gewohnt hatte und aus dem fünf seiner Jünger stammten. Für christliche Forscher aus aller Welt ein Ort von größtem Interesse.

1895 erwarb der Deutsche Verein vom Heiligen Land zu Köln das Grundstück und konnte sich etwa neun Jahre lang freuen, Kafarnaum zu besitzen – bis das eigentliche Kafarnaum zehn Kilometer östlich entdeckt wurde.

Was aber hatte man dann gekauft? Um eine Antwort zu finden, legten katholische Archäologen ab 1911 die Ruinen frei. Bei mehreren Ausgrabungen bis zum Zweiten Weltkrieg stießen sie auf die Grundmauern eines gewaltiges Bauwerkes: ein quadratischer Palast mit etwa siebzig Meter langen Wällen, mit Wehrtürmen an den Ecken und in der Mitte der Mauern, mit Mosaiken und Thronsälen und mit einer der ältesten Moscheen im Heiligen Land.

»Der Ort ist eine der bedeutendsten islamischen Fundstellen in Israel«, sagt Archäologe Kuhnen, der an der Universität Mainz das Institut für Altertumswissenschaften leitet. Khirbat al-Minya ist ein sogenanntes Wüstenschloss aus dem frühen achten Jahrhundert. Ein Palast der umayyadischen Kalifen, di