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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2016
CETA, TTIP und TISA stoppen! Fairhandel statt Freihandel
Der Inhalt:

»Den Sinn muss man auch fühlen«

Der österreichische Psychiater Alfried Längle war Schüler von Viktor Frankl. Dann schlug er neue Wege ein

Publik-Forum: Herr Längle, Sie haben lange mit Viktor Frankl zusammengearbeitet, dann aber die Internationale Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse gegründet, die ganz neue Wege einschlägt. Fühlen Sie sich ein bisschen als Verräter an seinen Ideen?

Alfried Längle: Frankl hat Respekt bekundet vor dem, was wir machen. Aber er stellte zu Recht fest, dass es nicht mehr nur Logotherapie war. Deshalb hat er den Ehrenvorsitz in unserer Gesellschaft zurückgelegt. Er wollte damit zur Produktklarheit beitragen.

Ist Ihnen die Zustimmung zur Logotherapie Viktor Frankls abhandengekommen?

Längle: Ich habe mich redlich bemüht, mit ihr allein zu arbeiten. Aber sie bot zu wenig Instrumente für die klinische Praxis. Wir brauchten andere Grundlagen.

Können Frankls Vorstellungen heute überhaupt noch weiterhelfen?

Längle: Man muss bedenken, dass Frankl selbst noch geprägt war von der Kaiserzeit und der Haltung des Dienens und der Pflichterfüllung. Das schlägt sich auch in seiner Logotherapie nieder, die einen Hang zum Altruismus und zur Selbstlosigkeit erkennen lässt. Heute ist – auch infolge der Studentenbewegung 1968 – die Freiheit des Einzelnen in den Vordergrund gerückt. Mit allen Schwierigkeiten, die die Vielfalt der Möglichkeiten für das Individuum nach sich zieht.

Was machen Sie anders als Frankl?

Längle: Unsere Ausbildungskandidaten müssen, zum Beispiel, mindestens 250 Stunden Selbsterfahrung nachweisen. Für Frankl war das geistige Nabelschau, psychoanalytisches Denken. Er fürchtet