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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2012
Nicht aufgeben!
Was von Martin Luther zu lernen wäre
Der Inhalt:

»Beach Boys« in Negombo

von Elisabeth Zoll, Thomas Seiterich vom 27.07.2012
Ferienland Sri Lanka: Katholische Geistliche kämpfen gegen die sexuelle Gewalt gegen Kinder durch Touristen

Coconut Oil … Coconut Oil … Mit einem Wispern beginnt das Verhängnis. Ein dunkelhäutiger Junge, der so hübsch aussieht wie Mowgli aus dem Dschungelbuch, flüstert das Schlüsselwort »Coconut Oil«. Es verheißt Massagen – und möglicherweise weiteren Körperkontakt. Und wie zufällig berührt der sri-lankische Junge, ein Beach Boy, das weiße, behaarte Männerbein des Urlaubers aus dem fernen Norden, der kurzbehost und allein in der glühend heißen Nachmittagssonne den weiten Palmenstrand der Touristenstadt Negombo entlangschlendert.

Doch stopp! Es ist keine unziemliche Kontaktaufnahme, die sich hier abspielt, sondern lediglich ein Test. Father Anthony Pinto hat ihn vorgeschlagen. »Diese fatale Begegnung kann sich an vielen Badeorten der sri-lankischen Süd- und Westküste ereignen«, sagt Pinto im schattigen Ordenshaus von Dankotuwa. Seit Langem ist der Ordenspriester der risikobereiteste Vorkämpfer gegen den sexuellen Kindesmissbrauch in Sri Lanka.

Der Mittfünfziger und sein Team aus jüngeren Jugendseelsorgern arbeiten mit Interpol zusammen. Dank seiner Erfolge gegen ausländische Missbrauchstäter und Organisatoren des Verbrechens ist der zierliche Mann mit Priesterkragen zu einer Berühmtheit in Sri Lanka geworden. Schon in den 1990er-Jahren lud der Pater auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen zu einer internationalen Pressekonferenz. Dort attackierte er unerschrocken – an einem Abflug-Ort von Kinderschändern – die Strukturen und Hintermänner des Verbrechens.

Anthony Pinto und seine Equipe zählen zum Salesianerorden. Zu dieser weltweit aktiven Gemeinschaft gehören Ordensfrauen und Geistliche. Getreu ihrem Gründer Don Bosco, der im 19. Jahrhundert in der Industriemetropole Turin für ausgebeutete Jugendliche kämpfte, spezialisieren sich die Salesianer auf die Arbeit mit notleidenden Kindern und Jugendlichen, wo immer in der Welt.

»Seit dem Ende des Bürgerkriegs Ende Mai 2009 wirbt Sri Lankas Regierung verstärkt um internationale Touristen. Denn die enormen Kosten des fast dreißigjährigen Krieges müssen nun bezahlt werden«, sagt Father Nihal im Vocational Centre, dem Berufsbildungszentrum mit Internat für traumatisierte Jugendliche der Salesianer in Negombo. »Ja, der Krieg ist vorüber, do

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