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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2012
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Was von Martin Luther zu lernen wäre
Der Inhalt:

Zersplitterte Belegschaft

von Christoph Fleischmann vom 27.07.2012
Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Die Diakonie entlohnt ihre Mitarbeitenden nach verschiedenen Tarifen

Verantwortliche in den Kirchen und in der Diakonie reden gerne von einer christlichen Dienstgemeinschaft, die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfasse. Diese Dienstgemeinschaft begründe, warum in der Kirche ein eigenes Arbeitsrecht und eigene Lohnstrukturen gelten müssten. Faktisch forcieren die Diakonieleitungen seit Mitte der 1990er-Jahre aber nicht die Gemeinschaft der Mitarbeitenden, sondern ihre Zersplitterung.

Das ist ein wesentliches Ergebnis einer Studie, die die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu Ausgründungen und Leiharbeit in der deutschen Diakonie vorgestellt hat. Sie wurde von den Sozialwissenschaftlern Gertrud Kühnlein, Anna Stefaniak, Heinz-Jürgen Dahme und Norbert Wohlfahrt erarbeitet.

Früher übernahmen die beiden großen Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände die Tarifabschlüsse des öffentlichen Dienstes mehr oder weniger eins zu eins: »Bundesangestelltentarif – kirchliche Fassung« hieß das dann. Früher, das war die Zeit, als ein Krankenhaus oder Altenheim seine realen Kosten von den Sozialversicherungsträgern ersetzt bekam. Durch politische Reformen ab Mitte der 1990er-Jahre wurden die Einrichtungen der Sozialbranche gezwungen, mit begrenzten Budgets effektiv und in Konkurrenz zu anderen Anbietern zu wirtschaften. In einem Arbeitsfeld, in dem 70 bis 80 Prozent der Kosten Personalkosten sind, wurden günstige Tarife für die Einrichtungen zum Wettbewerbsvorteil.

Die Wissenschaftler der Böckler-Studie machen deutlich, dass die Diakonie keineswegs die Gemeinsamkeiten bei den Löhnen gestärkt habe, um den Lohnwettlauf nach unten zu unterbinden. Stattdessen hat sie den Wettbewerb offensiv angenommen und setzt das kircheneigene Arbeitsrecht als probates Mittel zur »Flexibilisierung« und zum »Kostenmanagement« ein: Vom neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst hat sich die Diakonie mit eigenen erneuerten »Arbeitsvertragsrichtlinien« im Jahr 2007 abgegrenzt. Ihre Entlohnungsstrukturen sind bewusst nicht mehr mit dem öffentlichen Tarif vergleichbar.

Anders als von manchen Diakonie-Chefs propagiert, habe sich dieser Tarif aber keineswegs als »Leitwährung« innerhalb der Diakonie durchgesetzt, so die Autoren der Studie. Vielmehr existiere ein Flickenteppich von mehr als einem Dutzend diakonischer Tarife in Deutschland, aus denen die diakonischen Träg

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