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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

Die Querdenker

von Bettina Röder vom 23.07.2010
Christliche Politikerinnen und Politiker im Bundestag: Was sie eint, was sie trennt und warum sie manchmal so schrecklich nerven

Seinen Urlaub verbringt er regelmäßig in den Bergen, so 1000 bis 2000 Meter hoch. »Von dort aus rufe ich auch schon mal gern in Berlin an«, sagt Wolfgang Thierse. Da geht es dann weniger um Politik als um die Frage, wie heiß es gerade in der Hauptstadt ist. »Wenn die dann sagen, wir haben 35 Grad, dort oben sind aber nur 22, dann steigert das ganz enorm den Erholungswert.« Doch auch so mancher »zauberhafte Gottesdienst« in den Bergen hat es ihm angetan. Wie der auf der Seiser Alm, Europas Wanderparadies in den Dolomiten mit glitzerndem Schnee auf den Bergspitzen und dem Blumenteppich unten im Tal. Wenn er daran denkt, kommt er ins Schwärmen. »Man sitzt da, blickt über ein herrliches Panorama, die Chöre singen, eine heilige Messe ist das im wahrsten Sinne des Wortes.« In diesem Jahr hat es den streitbaren SPD-Mann nach Graubünden gezogen, ebenfalls mehr als 1000 Meter hoch. »Wolln mal sehen, ob da ein Kirchlein ist. Dann gehe ich auch gerne hin.«

Wolfgang Thierse gehört zu jener Zweidrittelmehrheit im Bundestag, die Christen sind. Im Osten gehören sie vor allem zu den Bündnisgrünen oder der SPD, im Westen zur CDU/CSU oder FDP. Mit dem Weggang von Bodo Rammelow aus dem Bundestag hat die Linke noch weniger Christen als zuvor. Da sind sie eine verschwindende Minderheit. Im Osten sind sie – Thierse ist da eine der wenigen Ausnahmen – vor allem protestantisch, im Westen praktizierende Katholiken. Auch inhaltliche Unterschiede sind präsent. Die sind nicht unbedingt eine Ost-West-Frage. »In meinem Kopf hat vieles Platz, aber nicht wie man zugleich Christ und Anhänger einer neoliberalen Ideologie sein kann«, sagt Bundestagsvize Wolfgang Thierse. Rums. Das hat gesessen. Gegen all die Christen auf den Bänken rechts von ihm. Und wenn sie im Bundestag miteinander streiten, geht es bekanntlich nicht immer harmonisch zu.

Darüber kann auch das Glockengeläut nicht hinwegtäuschen, das am letzten Sitzungstag durch die Gänge des hohen Hauses hallt. Es lädt zur Morgenandacht ein. In den modernen Andachtsraum im Reichstag passen nur wenige, gut dreißig Stühle stehen da. Die sind an diesem Morgen bis auf den letzten Platz besetzt. Sind die Christen auch sonst nur als verschwindende Minderheit erkennbar? Was eint, was trennt sie? Sind sie überhaupt wahrnehmbar? Für welche Werte streiten sie, was ist ihnen wichtig?

»Bei der Novellierung der deutschen Schornstei

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