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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

Belastete Beziehung

von Tonio Postel vom 23.07.2010
Forschung und Lehre sollen unabhängig sein. Doch der Einfluss der Wirtschaft auf die Hochschulen wächst

Das Geschrei war groß, als die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt Anfang 2008 in eine Stiftungsuniversität umgewandelt wurde. Seither setzt die Hochschule verstärkt auf private Geldgeber, um den Studierenden ein attraktives Studium zu bescheren. »Stiftungs(gast)professuren und -dozenturen tragen dazu bei, an der Universität vorhandene Fachgebiete wissenschaftlich zu ergänzen«, heißt es dazu auf der Uni-Homepage. Dass privatwirtschaftliche Interessen dahinterstecken, steht dort nicht. Dem Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) war dies aber nicht entgangen. Die Freiheit von Forschung und Lehre sei in Gefahr, wenn Unternehmen und Privatpersonen mit viel Geld Einfluss auf den Unibetrieb nehmen, polterten sie. Denn wer etwas gibt, erwarte für gewöhnlich auch eine Gegenleistung.

Frankfurt ist nur ein Beispiel für eine Entwicklung, die angesichts steigender Staatsverschuldung und fehlender Mittel kaum aufhaltbar erscheint. Inzwischen gibt es in Deutschland rund 660 Stiftungslehrstühle, und auch die Zahl privater Universitäten und Fachhochschulen steigt. Waren es 1995 noch 24, so stieg ihre Zahl bis 2007 auf 86 an (kirchliche Hochschulen nicht eingerechnet). 4,5 Prozent der Studierenden sind heute an einer privaten Einrichtung eingeschrieben, vor zehn Jahren waren es nur 1,4 Prozent.

Unterwirft sich das Bildungswesen zunehmend dem »Diktat des Geldes«, wie die Bildungsgewerkschaft GEW befürchtet? »Mindestens 22 Milliarden Euro pro Jahr fehlen, um bei den Bildungsausgaben allein auf den Stand zu kommen, den die OECD-Länder im Durchschnitt erreichen«, schreibt die Gewerkschaft in ihrem jährlichen Privatisierungsreport vom September 2009. So sind die Hochschulen dankbar für jeden Euro, während die Unternehmen durch das Bildungs-Sponsoring ihr öffentliches Ansehen verbessern wollen.

Etwa der milliardenschwere britische Finanzinvestor 3i, der in Frankfurt ausgerechnet eine Stiftungsprofessur für »Private Equity«, eine umstrittene Form der Unternehmensbeteiligung, spendierte und dafür innerhalb von sechs Jahren 1,2 Millionen Euro überweist. »Wir haben ein besonderes Interesse, Forschung und Lehre im Bereich Private Equity zu fördern und somit auch das Verständnis für den

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