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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

»Böser schwarzer Vogel«

von Uta Von Schrenk vom 23.07.2010
Naturschützer verteidigen den Kormoran als »Vogel des Jahres«. Fischer und Angler schießen ihn ab. Protokoll einer Kontroverse

Schwarz ist der Kormoran, mit Hakenschnabel und blitzenden Augen, und wenn just niemand auf dem Wasser arbeitet und der Magen knurrt, dann nichts wie los, im Gleitflug über die Oberfläche und abgetaucht, wo eine Schwanzflosse winkt. Der Kormoran ist so etwas wie der natürliche Feind des Fischers und Anglers. Er sitzt auf morschen Pappeln oder Erlen, auf morastigen Sumpfinseln, überall, wo es Wasser und Fisch gibt. Genügend Fisch. Doch der deutsche Fischer und Angler ist wehrhaft, und deswegen wird »ab 5.45 Uhr zurückgeschossen«, wie der bayerische Kabarettist Gerhard Polt in einem Sketch über den Kormoran formulierte. Dabei steht das Tier unter Artenschutz.

Nabu-Zentrum Blumberger Mühle in Brandenburg. Jörg Kienast, beschäftigt beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) war nicht gerade glücklich, als sein Verband den Kormoran zum »Vogel des Jahres 2010« kürte. Nur ein paar Tage im Amt als Leiter des Nabu-Zentrums Blumberger Mühle im Nordosten Brandenburgs, musste der Vierzigjährige bereits den ersten Konflikt mit heimischen Fischern und Teichwirten bestehen. Drei Stunden hitzige Diskussionen beim Fischereiverband in Teltow. Schön ist etwas anderes.

Eine Provokation war die Entscheidung des Nabu für den Kormoran mit Sicherheit. Nach den großen Auseinandersetzungen der 1980er-Jahre um Nationalparks und Schutzgebiete zwischen Naturschützern einerseits und Jägern sowie Fischern andererseits war es in den vergangenen Jahren endlich zu einer friedlichen Koexistenz beider Gruppen gekommen. Nun brechen alte Ressentiments wieder auf.

Die Auseinandersetzung zwischen Fischerei- und Naturschutzverbänden um das Ausmaß der durch den Kormoran verursachten Schäden weist bisweilen kriegerische Züge auf. Da schwören Angler, »jeden Baum umzunieten«, auf dem ein Kormoran brütet. Da werden Naturschützer auf Versammlungen niedergeschrien. Und es werden Jahr für Jahr rund 15 000 Kormorane abgeschossen, um die überlebenden Artgenossen von den Fischpfründen fernzuhalten – mit behördlicher Ausnahmegenehmigung, versteht sich.

Inzwischen, sagt Naturschützer Kienast, gewinne er der Kontroverse etwas ab: »Wir brauchen eine gesellschaftliche Diskussion über den Umgang mit dem Kormoran.« In der Vergangenheit sah das Verhältnis zwischen Mensch und Vogel so aus: Im mitteleuropäischen Binnenland war der Kormoran um 1900

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