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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2019
Raus aus der Angst!
Kirchentag 2019. Worauf man vertrauen kann
Der Inhalt:

Die Kraft des Vertrauens – fragil, aber tief

von Alexander Schwabe vom 05.07.2019
In Zeiten radikaler Umbrüche wachsen das Misstrauen in die Zukunft und die Angst um Identität. Das muss nicht so sein

Zu den fundamentalen Unterscheidungen in der Theologie gehört die zwischen Gesetz und Evangelium. Die wahre Kunst der Theologie besteht darin, genau zu dieser Differenzierung fähig zu sein – nicht etwa darin, Lehrinhalte zu formulieren oder Moralsysteme zu errichten. In der ganzen Wirklichkeit begegnet dem Menschen Gesetz. Damit sind nicht in erster Linie Vorschriften und Regeln gemeint, sondern all das, was den Menschen unfrei macht. Was ihn anklagt. Was er nicht erfüllen kann. Dem er nicht genügen kann. Was ihn verzweifeln lässt. Das Gesetz tritt vor den Menschen wie ein Henker. Es befreit ihn nicht zum Leben, es tötet ihn.

Quer durch die Geschichte herrschte blankes Gesetz. Zukunftsbangen und Todesangst. In apokalyptischer Endzeitstimmung warteten bereits die ersten Christen auf die frühe Wiederkunft des Herrn. Im Altertum und im Mittelalter traten immer wieder Unheilspropheten auf und verkündeten das Ende der Welt. Allzu viele Zeichen sprachen dafür: Pest und Cholera, fortwährend Kriege, Hunger, Krankheit, Vernichtung und Tod.

Existenzielle Angst breitet sich auch heute aus. Angesichts der Umbrüche, in denen wir uns befinden, droht sie zu-, wenn nicht überhandzunehmen. Die bevorstehende Klimakatastrophe; immer wieder Kriege; immer größeres Chaos auf der Erde mit immer mehr Flüchtenden; die befürchtete Totalüberwachung und Fremdbestimmung durch die Algorithmen künstlicher Intelligenzen; die bereits mögliche Totalmanipulation des menschlichen Erbguts; der Hass in den und außerhalb der sozialen Medien, der Menschen morden lässt: All das kann einem den Schlaf rauben und die Zuversicht auf ein freundliches Morgen. All das ist das Gesetz einer Wirklichkeit, die den Menschen festnagelt auf die raue Realität, die ihn gefangen hält in scheinbar unveränderlichen Entwicklungen und unüberwindlichen Zwängen. So scheint er dem sicheren Untergang geweiht.

Für den Staat – gegen alle Mächtigen?

Unterschieden vom tötenden Gesetz ist das Evangelium: trotz Gesetzes dennoch vertrauen zu können. Angesichts seiner drohenden, vernichtenden Macht dennoch Zuversicht zu haben. Mut und Hoffnung so, dass man der Versuchung widersteht, in den Abgrund zu treten. Im Privaten wie im Öffentlichen.

Auf dem Kirchentag in Dortmund verkündet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Art staatspolitisches Evangelium: »Unser Land ist auf

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