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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2019
Raus aus der Angst!
Kirchentag 2019. Worauf man vertrauen kann
Der Inhalt:

Kolumne von Katharina Müller-Güldemeister: Abenteuerschaum

vom 05.07.2019

Es ist Sommer. Höchste Zeit, die Campingausrüstung auf Vordermann zu bringen. Ich fahre zu einem Outdoorladen, der den Slogan »Dein Abenteuer fängt hier an!« auf dem Dach trägt. Klingt gut, denke ich, auch wenn ich nur einen Dichtungsring brauche, damit der Spiritus nicht mehr aus der Kartusche meines Kochers läuft. Auf der Suche danach bleibt mein Blick an einem Zartbitterschokoladenriegel mit Sesam und Grillenmehl hängen. Auch sonst lässt die Nahrungsmittelabteilung keine Wünsche offen, die ich nie hatte.

Fasziniert und ein bisschen angewidert lese ich das Angebot an Trockenpulvergerichten: Rührei mit Zwiebeln. Indischer Kichererbseneintopf. Lachspesto mit Pasta. Wild-Gourmet-Topf und Karamell-Amaretto-Creme. Kostenpunkt: 4,95 bis 8,50 Euro pro Portion. Man muss nur heißes Wasser in die Aluminiumpackung schütten, zehn Minuten warten, fertig. Voll praktisch, gerade wenn man weit weg von der Zivilisation auf einem Gipfel ist. Doch, Moment, wo kriegt man auf dem Gipfel eigentlich heißes Wasser her? Dazu braucht es doch trotzdem einen Kocher plus Topf. Und dann hätte man sich eigentlich auch die Aluverpackung sparen können, die circa ein Zehntel des Gewichts ausmacht – und die man nach verzehrter Mahlzeit mit sich rumschleppen muss, wenn man sie nicht in der Wildnis liegen lassen oder in einer Gletscherspalte versenken will.

Mir scheint, der Abenteurermarkt steckt noch in der Experimentierphase. Das Rotweinpulver, das mir vor zehn Jahren beim größten Outdoor-Anbieter Deutschlands begegnete, wurde jedenfalls mittlerweile gegen Rotwein in Hundert-Milliliter-Päckchen ausgetauscht. Einen Grund für diese Entscheidung kann mir die Pressesprecherin des Unternehmens allerdings nicht nennen. Wahrscheinlich ist der Marketingabteilung der Firma aufgefallen, dass man zum Verquirlen des Pulvers mit aufgefangenem Regenwasser einen Rührstab benötigt. Der Outdoor-Laden in meiner Nähe hat jedenfalls nicht mal die Rotweinpäckchen im Sortiment. Tatsächlich würden die hundert Milliliter in ihren zusammenschraubbaren Weingläsern (wahlweise aus Plastik oder Edelstahl) etwas verloren aussehen – die Outdoorgläser sind eher für 200 Milliliter ausgelegt. Und ein Tetrapack Wein ist im Supermarkt dann doch ein klitzekleines bisschen preisgünstiger als das Minipäckchen im Ausrüstungsladen.

Nun aber endlich zur Abteilung mit den Kochern. Auf Augenhöhe liegen die Dichtungsringe schon mal

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