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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2018
Die geheimnisvolle Kraft der Kreativität
Der Inhalt:

»Wir brauchen hundert kleine Mandelas«

Was bleibt von Nelson Mandela, der am 18. Juli hundert Jahre alt geworden wäre? Ein Gespräch mit seinem Enkel Ndaba über die Kindheit bei seinem Großvater, dessen Ringen um Gewaltfreiheit und die heutige Lage in Südafrika

Publik-Forum: Herr Mandela, Sie tragen einen Namen, den in Südafrika jeder kennt und der weltbekannt ist. Was bedeutet es für Sie, Enkel von Nelson Mandela zu sein?

Ndaba Mandela: Mir ist klar, dass ich sehr privilegiert bin. Aber es ist auch ein gewisser Druck und eine Bürde. Tatsächlich hat dieser Name Vor- und Nachteile. Er gibt mir die Möglichkeit, Dinge anzustoßen.

Sie sind bei Nelson Mandela aufgewachsen. Wie eng war Ihr Verhältnis?

Mandela: Sehr eng. Er hat mich 1993 zu sich geholt, als ich elf Jahre alt war. Am Anfang war es schwierig: Er war 75, ein Nationalheld, doch für mich war er ein Fremder. Er war oft unterwegs, noch mehr, als er Präsident wurde. Aber er hat für einen geregelten Tagesablauf gesorgt, den ich vorher nicht hatte. Er war ziemlich streng und in der Schule verlangte er Bestleistungen. Als ich Teenager war, hat es häufig gekracht zwischen uns, vor allem wegen seiner hohen Erwartungen. Heute verstehe ich ihn, denn eine Errungenschaft des Kampfes gegen die Apartheid ist der Zugang zu Bildung. Und ich gehöre zu der ersten Generation, in der Schwarze ebenso zur Schule und zur Uni gehen können wie Weiße. Madiba, wie ich meinen Großvater nannte, wollte, dass ich die Chance nutze, die meine Eltern nicht hatten.

Was haben Sie von Ihrem Großvater gelernt?

Mandela: Zum Beispiel, Dinge wertzuschätzen. Ich war ein schusseliges Kind und habe nicht so gut auf meine Schuluniform aufgepasst. Madiba hat mich darauf hingewiesen, gut auf meine Sachen aufzupassen. Einmal – ich hatte schon wieder meinen Schul-Pullover verloren – hat er mich ab