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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2018
Die geheimnisvolle Kraft der Kreativität
Der Inhalt:

In der Keimbahn der Spiritualität

Ein verschollen geglaubtes Album der Jazz-Legende John Coltrane sorgt für Furore

John Coltrane wirft noch immer einen riesigen Schatten. Der Jazz hat sich zwar professionalisiert und akademisch gut ausgebildete junge Saxophonisten können mühelos jede Menge Coltrane-Soli aus dem Ärmel schütteln, oder besser: vom Blatt spielen. Doch fehlt ihrem Spiel in aller Regel jene Intensität der Erregung und erschreckende Unbedingtheit, die die improvisierte Musik zu Zeiten Coltranes auszeichnete. John Coltranes Leidenschaft war einfach zu persönlich, als dass man sie simulieren könnte. Seine Soli entstammten allesamt dem inneren Aufruhr des Lebens. Denn der vielleicht bedeutendste Saxophonist des modernen Jazz hatte sich nicht nur gegen den »Anti-Jazz«-Vorwurf seiner Kritiker gewehrt, sondern sich auch aus dem Jammertal seiner Drogensucht befreit: »Im Jahr 1957 erlebte ich durch die Gnade Gottes ein spirituelles Erweckungserlebnis, das mich zu einem reicheren, tieferen, schöpferischen Leben führen sollte.«

Jetzt sind unter dem Titel »Both Directions At Once – The Lost Album« unveröffentlichte Aufnahmen aufgetaucht, die »Trane« mit seinem klassischen Quartett am 6. März 1963 im Rudy Van Gelder Studio in New York eingespielt hat. Und die Jazz-Welt steht Kopf! Dabei handelt es sich bei den sieben Titeln – von denen nur die drei Stücke »Untitled Original 11383«, »Untitled Original 11386« und »Slow Blues« gänzlich neu sind – um Aufnahmen, die Coltrane offenkundig für nicht so gelungen hielt, als dass er sie zu Lebzeiten veröffentlicht hätte. Möglicherweise passten die subtilen Sopran-Saxophon-Experimente der »Untitled Originals«, die halb-erstickten Schreie in einem Stück wie »Nature Boy« oder die kehlig-knurrende Melodik des »Slow-Blues« aber auch nicht in das Vermarktungskonzept seiner Platten