In der Keimbahn der Spiritualität
John Coltrane wirft noch immer einen riesigen Schatten. Der Jazz hat sich zwar professionalisiert und akademisch gut ausgebildete junge Saxophonisten können mühelos jede Menge Coltrane-Soli aus dem Ärmel schütteln, oder besser: vom Blatt spielen. Doch fehlt ihrem Spiel in aller Regel jene Intensität der Erregung und erschreckende Unbedingtheit, die die improvisierte Musik zu Zeiten Coltranes auszeichnete. John Coltranes Leidenschaft war einfach zu persönlich, als dass man sie simulieren könnte. Seine Soli entstammten allesamt dem inneren Aufruhr des Lebens. Denn der vielleicht bedeutendste Saxophonist des modernen Jazz hatte sich nicht nur gegen den »Anti-Jazz«-Vorwurf seiner Kritiker gewehrt, sondern sich auch aus dem Jammertal seiner Drogensucht befreit: »Im Jahr 1957 erlebte ich durch die Gnade Gottes ein spirituelles Erweckungserlebnis, das mich zu einem reicheren, tieferen, schöpferischen Leben führen sollte.«
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