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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2018
Die geheimnisvolle Kraft der Kreativität
Der Inhalt:

Besorgte Schriftsteller

Die Welt ist aus den Fugen. Wenn sich Schriftsteller in politische Debatten einmischen, argumentieren einige erschreckend populistisch. Dass sich aktuelle Politik aber endlich wieder im Roman spiegelt, ist ein Gewinn für die Leser

Wenn man den Fernseher einschaltet, »hört man unsere Politiker den Erben der Unternehmerfamilien nach dem Mund reden«, klagt Victor, die Hauptfigur aus Alexander Schimmelbuschs Roman »Hochdeutschland«. Victor ist nicht etwa Mitglied der Links-Partei. Er bezieht auch nicht Hartz IV. Er verdient ein Traumgehalt in der freien Wirtschaft, fährt Porsche, schläft in Luxushotels und nimmt nur seine kleine Tochter und seinen langjährigen Freund Ali Osman ernst.

Victor könnte also zufrieden damit sein, wie die Politiker den Reichen nach dem Mund reden. Er und andere Besserverdienende profitieren ja davon. Doch es stört ihn, dass Deutschland, so wie es ist, an seine Grenzen gerät. Ihn bekümmert, dass die politische Klasse keine Vision hat, um Deutschland fit zu machen für den globalen Wettbewerb. Deshalb gründet er mit Ali eine politische Bewegung, deren Gründungspapier sich liest, als habe Sahra Wagenknecht es formuliert. Die »Deutschland AG« will nichts weniger als eine Obergrenze für Vermögen und beste Bildung für jedes Kind, egal, wer seine Eltern sind.

Der Autor Alexander Schimmelbusch hat fünf Jahre lang als Investmentbanker in London gearbeitet, ehe er begann, Romane zu schreiben. Dass der 43-Jährige die rasante Welt des großen Geldes aus eigenem Erleben kennt, ist »Hochdeutschland« anzumerken. Romanheld und Autor mögen auch einige Gemeinsamkeiten haben, etwa die Vorliebe für Luxusmarken. Doch eines ist der flott geschriebene Text ganz und gar nicht: eine Selbstbespiegelung.

Romane, in denen Autoren ihr Innenleben ausloteten, hatten in den vergangenen Jahren Hochkonjunktur. Höhe- und zugleich Tiefpunkt dieser Entwicklung waren die sechs autobiografischen Bände, in denen der norweg