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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2018
Die geheimnisvolle Kraft der Kreativität
Der Inhalt:

»Autos passen eigentlich nicht in Städte«

von Andrea Teupke vom 06.07.2018
Alban Manz wirbt für »demonstratives Radfahren«: Er engagiert sich für die »Critical Mass« in Stuttgart

Fahrradfahren macht glücklich! Wenn einem der Wind um die Nase weht und man ist draußen, das tut einfach gut. Deshalb engagiere ich mich auch für die »Critical Mass« in Stuttgart. Bei dieser Aktion treffen sich regelmäßig Radfahrer und fahren im Konvoi kreuz und quer durch die Stadt. 2011 habe ich erstmals davon gehört: Eine Zeitung über Radkultur berichtete über diese Bewegung in San Francisco, London und Berlin. Also habe ich gedacht, dass es das in Stuttgart auch geben müsste. Als ich dazukam, haben sich am Feuersee vielleicht zehn oder zwanzig Leute getroffen. Ich fing dann an, gezielt Werbung dafür zu machen. Inzwischen schreibe ich auch den Blog, auf dem die Strecke angekündigt wird.

Treffpunkt ist jeden ersten Freitag im Monat. Bei der letzten Critical Mass waren wir mehr als 1700 Radfahrer. In so einer großen Gruppe gemeinsam durch die Stadt zu fahren ist wirklich berauschend! Da kommen Männer, Frauen und Kinder, Leute in Hemd und Anzug, aber auch Alltags- und Gelegenheitsradler. Die Leute sind gut gelaunt und finden es toll, dass man so entspannt die City genießen kann. Es gibt selbstgebaute Räder, Lastenfahrräder, Funbikes, viele sind auch geschmückt. Demo würde ich das nicht nennen, eher ist es ein Fest der Radkultur, eine Parade. »Demonstratives Radfahren« könnte man auch sagen. Wir zeigen: »Schaut mal, wir sind schon so viele! Macht doch auch mit!«

Oft heißt es, wir legen die Stadt lahm. Aber wenn man nüchtern die Zahlen betrachtet, trifft dieser Vorwurf eher auf die Autos zu: Wenn zweitausend Radfahrer über eine Kreuzung fahren, dauert das ungefähr zwanzig Minuten. Schneller sind Autos auch nicht, weil sie viel mehr Platz brauchen; eigentlich passen sie gar nicht in die Stadt. Fahrräder und Fußgänger sind viel flexibler, sie finden wie Wasser ihren Weg. In Stuttgart ist die Infrastruktur jedoch nicht ansatzweise geeignet, um mehr Menschen aufs Rad zu bringen. Die Radwege führen teilweise über Fußgängerwege und Bordsteine, sie werden zugeparkt oder enden plötzlich. Gerade Kreuzungen und Einmündungen sind extrem gefährlich. Meine Freundin ist vorgestern wieder mal fast unter einen Laster geraten, diese Zustände nimmt man fast schon in Kauf. Dabei könnte man das alles umbauen, wenn man nur wollte! (Siehe auch Bericht »Sicher, schnell und schön« auf Seite 47.) Je mehr Menschen sich uns anschließen, umso eher können sich darauf Politiker berufe

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