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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2017
Wem gehört die Welt?
Einblicke in die Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus
Der Inhalt:

Neuer Antisemitismus?

von Thomas Seiterich vom 07.07.2017
Umfragen zufolge haben viele Deutsche Einwände gegen die israelische Politik. Ab wann ist Kritik an Israel antisemitisch? Fragen an den jüdischen Publizisten Micha Brumlik

Publik-Forum: Herr Brumlik, Antisemitismus war in Deutschland lange rückläufig. Jetzt erleben wir eine neue Welle, wie es scheint. Braucht es einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung?

Micha Brumlik: Ich glaube, wir brauchen das. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte ist es sehr nötig, dass dieses Thema, das derzeit die deutsche Öffentlichkeit sehr umtreibt, auch politisch verantwortlich behandelt wird. Ja, wir brauchen einen solchen Beauftragten.

Verändert sich durch die neuen Bürger aus arabischen Ländern, die als Flüchtlinge seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, die Situation? Wird die Lage bedrohlicher für Jüdinnen und Juden in Deutschland?

Brumlik: Tatsache ist, dass zahlreiche Jüdinnen und Juden sich bedroht fühlen. Ob und wie realistisch das ist, ist eine andere Frage. Wir wissen aus verschiedenen Untersuchungen, dass etwa vierzig Prozent der Befragten so etwas wie einen Israel-bezogenen Antisemitismus zu Protokoll geben. Vor diesem Hintergrund dürfte es keinen großen Unterschied ausmachen, ob da noch der eine oder der andere oder auch größere Gruppen von Flüchtlingen, die aus arabischen Ländern kommen und dort mit antisemitischem Antizionismus konfrontiert wurden und den auch aufgenommen haben, diesen hierzulande an den Tag legen.

Was bedeutet Israel-bezogener Antisemitismus genau? Umfragen ergeben seit Jahren, dass in Deutschland wie auch in Westeuropa zehn bis zwanzig Prozent der Befragten ein rechtsextremes Weltbild haben. Vierzig Prozent erscheint mir als sehr, sehr viel.

Brumlik: Vierzig Prozent ist tatsächlich sehr viel. Deshalb differenziere ich und sage: Israel-bezogener Antisemitismus. Flapsig formuliert: Opas Antisemitismus, also der Hass gegen die Juden, dass sie die Welt beherrschten, das Finanzkapital repräsentierten und Feinde des Abendlandes seien, den gibt es so in der politischen Arena kaum noch. Wer sich heute antisemitisch einbringen will, wird das vor allem durch sogenannte Israelkritik tun. Was umgekehrt auf keinen Fall bedeuten kann, dass jeder, der die Politik israelischer Regierungen kritisiert, deswegen ein Antisemit ist.

Wo beginnt Israel-bezogener Antisemitismus? Etwa wenn Kritik an Israels Regierung oder ihrer Besatzungspolitik auf »die Juden« ausgeweitet

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