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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2017
Wem gehört die Welt?
Einblicke in die Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus
Der Inhalt:

Streitfragenzur Zukunft: Kann Ökolandbau die Welt ernähren?

von Matin Qaim vom 07.07.2017
Nein, das ist nicht möglich! Denn angesichts des Hungers in der Welt müssen die Ernteerträge deutlich gesteigert werden

Der Ökolandbau ist für viele Menschen in Deutschland Inbegriff für nachhaltige Landwirtschaft. Er wird überwiegend als gut für Umwelt, Klima, Tierwohl und gesunde Ernährung wahrgenommen. Das positive Grundimage trägt dazu bei, dass er teilweise auch als Lösung für das Welthungerproblem gesehen wird. Doch könnte der Ökolandbau allein die Welt tatsächlich ernähren? Wäre eine flächendeckende Umstellung der Landwirtschaft möglich und erstrebenswert? Ich beantworte diese Fragen mit einem klaren Nein. Das heißt nicht, dass die Landwirtschaft nicht umwelt- und klimafreundlicher werden muss. Aber der Ökolandbau ist hierfür nicht das Patentrezept.

Über Jahrtausende hinweg war das zentrale Problem des menschlichen Überlebens, dass nicht ausreichend Nahrung verfügbar war. Noch im frühen 20. Jahrhundert hungerten mehr als siebzig Prozent der Weltbevölkerung. Selbst in Europa gehörte Unterernährung zur Tagesordnung, weil die landwirtschaftlichen Erträge niedrig und die Ernteverluste durch Krankheiten und Schädlinge groß waren. Doch in den vergangenen hundert Jahren wurde der Hunger in Europa weitgehend ausgerottet, und auch anderswo wurde er massiv zurückgedrängt. Heute hungern weltweit nur noch elf Prozent der Menschen, und das, obwohl die Bevölkerung seit Beginn des 20. Jahrhunderts um fast sechs Milliarden angestiegen ist. Hauptgrund für diese enormen Erfolge sind die gesteigerten Erträge durch den Einsatz von Dünger, besseren Sorten, Pflanzenschutz und anderen Agrartechnologien.

Doch der Hunger ist noch nicht besiegt. Nach wie vor sind fast 800 Millionen Menschen unterversorgt, vor allem in Asien und Afrika. Und die Weltbevölkerung wächst weiter. Produktionssteigerungen allein werden nicht reichen, um das Ziel einer Welt ohne Hunger zu verwirklichen. Aber ohne weitere Steigerung wird das Ziel erst recht nicht realisierbar sein. Für eine ausreichende Nahrungsverfügbarkeit wird die globale Agrarproduktion bis 2050 um mindestens sechzig Prozent gesteigert werden müssen.

Die durchschnittlichen Erträge im Ökolandbau sind niedriger als in der konventionellen Landwirtschaft – im Schnitt rund 25 Prozent, mit starker Streuung je nach Situation. Die Ertragslücke, die entstünde, wenn die gesamte Landwirtschaft auf Öko umgestellt würde, wäre aber noch größer.

Gute Erträge im Ökolandbau erfordern mehr Wissen und Geschick als im konventionellen Anbau. Viele Stud

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