Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2017
Wem gehört die Welt?
Einblicke in die Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus
Der Inhalt:

Drei Bücher für den Urlaub

von Brigitte Neumann vom 07.07.2017

Romane. Ein furioses Debüt, ein vergessener Schatz, der neu übersetzt wurde, und ein Roman, den man mal wieder aus dem Regal ziehen könnte – unterhaltsame Ferienlektüre, bei der die Poesie zwischen und in den Sätzen steckt:

Wie in diesem Märchen von Anna Gavalda aus dem Jahr 2005 »Zusammen ist man weniger allein«. So wäre es zwischen den Menschen, wenn sie es verstünden, ihr Glück miteinander zu finden. Ja, der 300-Seiten-Schmöker ist leichte Unterhaltung. Ja, sein zärtlicher Ton geht ans Herz. Aber nie überschreitet er die Grenze zum Kitsch. Gavaldas Protagonisten, ein Häuflein Verlierer von der mageren Malerin Camille bis zum arbeitssüchtigen Gourmetkoch Franck, erleben, dass Menschlichkeit der Schlüssel zu einem guten Leben ist. Anna Gavalda sagte damals: »Ich werde nie wieder ein solches Buch schreiben. So gut werde ich einfach nie wieder sein.«

Ein ähnliches Unikat ist auch »Winesburg, Ohio« von Sherwood Anderson. Das Buch ist bald hundert Jahre alt und wurde von Eike Schönfeld neu übersetzt. Wie in jeder zeitlos guten Erzählung geht es in diesem – auch von Hemingway gerühmten – Buch um ewige Fragen. Fragen nach unserer Sehnsucht, unserer Angst – den Kräften, die unser Leben bestimmen. Anderson nimmt 22 Bewohner einer fiktiven Kleinstadt im Süden der USA unter die Lupe. Bei manchen schafft er es, ihr Schicksal in einem Satz zu konzentrieren. Etwa hier: »Obwohl erst 45, hatte eine obskure Krankheit ihrer Gestalt das Feuer genommen.« Die Episoden aus »Winesburg, Ohio« sind literarische Fallgeschichten. Freud, der zur gleichen Zeit wie Anderson lebte, eröffnete uns, dass der Mensch nicht Herr im eigenen Haus sei. Anderson schildert, wie das aussehen kann. Ein Buch, das nachhaltig nährt.

Und jetzt zu einem Buch, das sich liest wie Schillers »Ode an die Freude« – nur in Prosa, 270 Seiten lang und in die Gegenwart verlegt: Stefan Ferdinand Etgetons Debütroman »Rucksackkometen«. Der Autor, Ende zwanzig, schreibt über zwei Freunde, die beschließen, ihr Leben der »totalen zerkaputtsprengung alt-normativer zwangsmatritzen« zu widmen. Sie machen sich auf nach Griechenland, den »lockschuppen der zivilisation«. Denn keiner von ihnen will enden »als mensch mit einer frau und 2 autos und 3 fernsehern und 4 kindern und 50 tupperdosen«. Der Roman »Rucksackkometen« ist ein Kraftwerk, das sich aus der Fähigkeit des Autors speist, Wollust und Si

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen