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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2017
Wem gehört die Welt?
Einblicke in die Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus
Der Inhalt:

Adam und Eva auf dem Standesamt

von Anne Strotmann vom 07.07.2017
Einige Christen tun sich schwer mit der »Ehe für alle«. Mancher begründet sein Unbehagen mit der Bibel. Doch die hilft da nicht weiter. Und gerade Konservative könnten sich über die Entscheidung des Bundestages freuen. Ein Zwischenruf

Hinter der Entscheidung, die schon so lange diskutierte »Homo-Ehe« gerade jetzt doch noch schnell gesetzlich zu verankern, steckt Wahlkampf-Kalkül. Das gibt der Sache zwar einen faden Beigeschmack. Aber viele Menschen, die einen Partner gleichen biologischen Geschlechts haben, feiern die Aussicht, ihn jetzt »ganz normal« heiraten zu dürfen, als ein historisches Ereignis wie den Mauerfall.

Man kann die Zivilehe für ideologisch völlig überfrachtet halten. Aber das darf nicht das Problem der Schwulen und Lesben sein. Wenn die einen etwas dürfen und die anderen nicht, ohne dass es schlüssige Gründe dafür gibt, dann ist das diskriminierend. Sagt auch das Bundesverfassungsgericht. Mehrfach. Deswegen hat es die »Eingetragene Lebenspartnerschaft« über die Jahre der Ehe mehr und mehr angeglichen. Nun folgt dieser Entwicklung das politische Ja zur »Ehe für alle«. Es fiel am 30. Juni im Deutschen Bundestag.

Doch immer noch laufen stündlich neue Statements gegen die »Homo-Ehe« durch Medien und Netzwerke. Da gibt es die Verächtlichmacher: »Dann will ich auch meinen Kühlschrank/Wellensittich/minderjährigen Neffen heiraten.« Auf der nächsten Stufe der Argumentationslinie – »Wer soll denn dann noch alles heiraten dürfen?« – schalten sich bereits christliche Stimmen, wie die Deutsche Evangelische Allianz (DEA) ein. Die fragt, »ob auch Polygamie oder Geschwisterehen legalisiert werden sollten«. Diese Äußerung ist perfide, weil sie eine »stinknormale« Ehe zwischen zwei Menschen (welchen Geschlechts auch immer) mit Verbindungen auf eine Stufe stellt, die die meisten Deutschen ablehnen, selbst diejenigen, die kein Problem mit einer Ehe zwischen zwei Frauen oder zwei Männern haben. Aber ja, die DEA hat tatsächlich recht: Diese Fragen muss man sich auch stellen! Aber nicht jetzt. Denn darum geht es gerade nicht.

Ansichten aus dem kirchlichem Umfeld wiederum lesen sich häufig so: Natürlich wolle man nicht diskriminieren, aber es gebe eben doch Unterschiede, deswegen sei der Ehebegriff für eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau reserviert. Wer so argumentiert, steckt in einem Dilemma, das er weder den Reaktionären noch den Liberalen plausibel machen kann.

Viele wollen es pragmatisch sehen: Die eingetragene Lebenspartnerschaft sei doch fast komplett mit der Ehe gleichgestellt! Diese Errungenschaft geschah übrigens gegen den W

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