Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2014
Wie kommt Gott ins Gehirn?
Die Erkenntnisse der Wissenschaft
Der Inhalt:

Jagd auf Muslime

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 11.07.2014
In Burma ist eine ganze Volksgruppe auf der Flucht. Buddhistische Extremisten verfolgen muslimische Rohingya. Von der Welt unbeachtet geschehen im Land der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi Verbrechen gegen die Menschlichkeit

In Burma brennen Moscheen. Häuser, in denen Angehörige der muslimischen Volksgruppe Rohingya leben, werden zerstört, die Menschen vertrieben, umgebracht oder in Ghettos eingeschlossen. Auf ihren Läden prangen Aufkleber – mit Rohingya sollen keine Geschäfte gemacht werden. Was in dem südostasiatischen Land geschieht, erinnert an das Dritte Reich. Doch die Welt schaut tatenlos zu.

Seit 2012 hat sich der Konflikt zwischen der buddhistischen Mehrheitsgesellschaft des Landes, das auch Myanmar genannt wird, und der muslimischen Minderheit verschärft. Die Rohingya, die in dem Vielvölkerstaat nur eine Volksgruppe von vielen sind, werden von der Regierung nicht als Staatsbürger anerkannt. Dem umstrittenen Staatsbürgergesetz von 1982 zufolge sind sie gar keine Burmesen, sondern Bengalen. Mit dieser Begründung werden ihnen sämtliche Rechte versagt. Es sind ausgerechnet die in Deutschland als friedfertig angesehenen Buddhisten, die die Hetze gegen sie vorantreiben.

»Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit«, betont Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker. »Die Rohingya werden gezielt vertrieben, und in den Lagern, in denen sie eingepfercht werden, herrschen unmenschliche Bedingungen.« Internationale Hilfsorganisationen werden nur sporadisch hineingelassen, oft wird ihnen der Zugang ganz verwehrt. Und die Situation hat sich laut Delius in den vergangenen Wochen noch verschlechtert. Einer der Tiefpunkte: Die buddhistisch-extremistische 969-Bewegung fordert ein Gesetz, das Ehen zwischen Buddhisten und Muslimen verbietet.

Ihr Führer, der buddhistische Mönch Ashin Wirathu, wurde vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel als »Hitler Burmas« bezeichnet. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat im März dieses Jahres einen Bericht mit dem Titel »Die Rohingya in Burma: Die am meisten verfolgte Minderheit der Welt« herausgegeben. Darin wird Wirathu mit den Worten zitiert: »Wir müssen uns um unsere Religion und unsere Rasse kümmern. Das ist wichtiger als Demokratie.« Zu den Versammlungen des Extremistenführers strömen Tausende. »Es handelt sich nicht um eine kleine Gruppe von Extremisten. Die feindliche Haltung ge genüber den Rohingya ist in der Bevölkerung weit verbreitet«, sagt Delius. »Es ist zeitlich genau nachzuvollziehen: Nach den

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen