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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2014
Wie kommt Gott ins Gehirn?
Die Erkenntnisse der Wissenschaft
Der Inhalt:

»Die junge Generation will Frieden«

von Bettina Röder vom 11.07.2014
Während die Konflikte in der Ukraine weiter vom Westen und von Russland geschürt werden, setzt Pfarrer Andreas Hamburg in Odessa auf eine Versöhnungsinitiative

Publik-Forum: Herr Hamburg, Sie waren lange Zeit in Charkow Pfarrer. Das liegt in der Ostukraine, nahe der russischen Grenze. Jetzt sind Sie in Odessa. Gibt es überhaupt etwas, was Ihnen in diesem Land derzeit noch Mut macht?

Andreas Hamburg: Ich war vor wenigen Tagen hier zu einem Konzert der Rock-Band Okean Elzy. Das ist eine der jungen Gruppen, die schon jetzt so viel für die friedliche Stabilisierung der Ukraine tun. Das ist unglaublich, was sie dazu beisteuert. Da waren 40 000 Menschen, die alle wissen: Wir sind ein Teil des Landes. Das hat mir sehr viel Mut gemacht.

Warum?

Hamburg: Weil hier Menschen aus einer ganz anderen Generation vertreten waren. Da war das Durchschnittsalter 20 bis 25 Jahre. Die sind schon in der neuen Ukraine geboren und identifizieren sich mit diesem Land. Sie sind unbelastet, auch im Unterschied zu mir, der ich 41 Jahre alt bin. Die sagen: Ob wir Russen oder Ukrainer sind, wir wollen in diesem Land friedlich miteinander leben. Am gleichen Tag dieses Konzerts gab es übrigens hier eine friedliche Demonstration, da waren Tausende junger Menschen unterwegs.

Meinen Sie denn, dass der Konflikt, der ja in der Ostukraine eskaliert, vor allem die ältere Generation betrifft?

Hamburg: Ohne Zweifel. Jene, die noch in der Sowjetunion gelebt haben, empfinden eine Art Phantomschmerz. Sie vermissen etwas aus der Zeit von damals. Wenn man die prorussische Seite anschaut, die sich auch hier in Odessa versammelt hat, sieht man schnell: Das sind ältere Menschen und vor allem viele, denen es sozial nicht so gut geht.

Nun befindet sich das Land im Osten im Krieg. Gibt es denn so etwas wie eine unabhängige Friedensbewegung, die zur Befriedung beitragen könnte?

Hamburg: Eine unabhängige Friedensbewegung, das wäre etwas zu viel gesagt. Es gibt bei uns die Gruppe, die sich Versöhnung, Primirenie, nennt. Das ist ein Zweig einer Initiative, die sich ursprünglich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gebildet hat.

Wo sitzen die, und was machen sie?

Hamburg: Ein Zentrum gibt es in Warschau, die ukrainische Gruppe leite ich. Zu der gehören vier

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