Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2014
Wie kommt Gott ins Gehirn?
Die Erkenntnisse der Wissenschaft
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Ich lache, liebe, lebe!«

von Teresa Schneider vom 11.07.2014
Sophia K. (22) wäre fast an Leukämie gestorben. Heute studiert sie Psychologie und macht Kindern mit Krebs Mut

Herzlich willkommen! Komm rein, schau dich um. Das hier ist mein Reich. Bei mir sieht’s heute ein bisschen chaotisch aus. Am Wochenende war ich viel unterwegs und bin nicht zum Aufräumen gekommen. Wenn man im Rollstuhl sitzt, dauert alles etwas länger, aber ich bekomme das ganz gut hin. Seit zwei Jahren wohne ich hier. Ich wohne alleine und studiere; noch vor einiger Zeit hätte sich das niemand vorstellen können. Die Ärzte dachten, dass ich nicht überlebe.

Leukämie – ich war fünf Jahre alt, als diese Krankheit zum ersten Mal in mein Leben platzte. Ich weiß noch, wie ich in der Nacht aufgewacht bin, weil ich so starke Schmerzen hatte. Meine Eltern sind dann mit mir zum Kinderarzt gefahren. Der hat mein Blut untersucht, ich musste in eine Klinik und bekam Chemotherapie. Ich war damals zu klein, um richtig zu verstehen, was mit mir passierte. Doch ich hatte Glück und wurde wieder gesund.

Vor etwa zwölf Jahren kam die Krankheit zurück. Was folgte, war die krasseste und schmerzvollste Zeit meines Lebens. Es ging mir so schlecht, dass alles rasend schnell gehen musste. Meine Familie flog mit mir in eine Klinik nach Wien. Dort spendete mir mein drei Jahre älterer Bruder Knochenmark. Das Knochenmark meines Bruders »kämpfte« gegen den Krebs, doch auch gegen meinen Körper. In der Zeit nach der Transplantation begann sich meine Haut überall abzuschälen, ich war nur noch offenes Fleisch, hatte wahnsinnige Schmerzen. Zum Glück hatte ich meine Familie und vor allem meinen Bruder. Er hat mich abgelenkt, war für mich da.

Anfangs durfte er wegen der Keime nicht zu mir ins Zimmer, aber es gab eine Glasscheibe, und so konnten wir uns sehen. Ich bekam Morphium und konnte mich lange nicht bewegen, meine Muskeln und Sehnen haben sich stark verkürzt. Das ist der Grund, weshalb ich seit zehn Jahren im Rollstuhl sitze.

Niemand weiß, ob ich eines Tages wieder gehen kann. Und niemand weiß, ob der Krebs zurückkommt. Doch es gibt so viel, wofür es sich zu leben lohnt: diese kleinen, alltäglichen Momente, zum Beispiel, wenn man mit seinen Freunden zusammensitzt, ein gutes Essen genießt. Es ist so schön, wenn man keine Sorgen, keine Schmerzen hat. Einfach den Alltag lebt, lacht und liebt.

Seit einigen Jahren muss ich keine Medikamente mehr nehmen. Ich habe zwei Mal pro Woche Physiotherapie und trainiere drei Mal in der Woche mit einem »Gyrotonic

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen