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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2014
Wie kommt Gott ins Gehirn?
Die Erkenntnisse der Wissenschaft
Der Inhalt:

Der Nachbar fährt den Bus

von Sebastian Stoll vom 11.07.2014
In dünn besiedelten Gebieten ersetzen Bürgerbusse den öffentlichen Nahverkehr

Alma Bornsdorf merkt man ihre 86 Jahre nicht an. Die kleine Frau mit den schlohweißen Haaren ist noch gut zu Fuß. Dennoch: »Seit es den Laden um die Ecke nicht mehr gibt, ist Einkaufen für mich ziemlich schwierig geworden«, sagt sie und steigt in einen weißen Kleinbus. »Zum Glück haben wir den jetzt. Sonst müsste ich das Taxi nehmen.«

Etwa 7000 Menschen leben im südbadischen Lauchringen. Wer wie Alma Bornsdorf im Ortsteil Oberlauchringen wohnt und einkaufen will, muss das Auto nehmen – wenn er eines hat – oder den Bürgerbus, den die Gemeinde seit dem Verlust des letzten Lebensmittelgeschäftes im kleinen Ortsteil eingerichtet hat. Er verkehrt seit Ende 2013 montags und donnerstags, dreimal in jede Richtung.

So etwas gibt es nicht nur in Lauchringen, sondern in immer mehr Gemeinden: Wo keine Geschäfte mehr existieren und auch keine Buslinie, da schreiten Bürger zur Tat und fahren selbst. Unterstützt werden sie dabei von den Kommunen oder vom jeweiligen Bundesland, die einen Kleinbus zur Verfügung stellen und die Fixkosten übernehmen. Um sie zu senken, kostet die Fahrt ein paar Cent oder einen Euro, aber niemals viel. Bürgerbusse sind gelebtes bürgerschaftliches Engagement.

Angefangen hat alles in den Niederlanden. Dort gibt es seit 1977 den sogenannten »Buurtbus«, der Menschen aus abgelegenen Regionen Mobilität ermöglicht. 1985 setzte sich die Idee auch jenseits der Grenze in Nordrhein-Westfalen durch. Hier wie dort gab es neben den Ballungsräumen strukturschwache Regionen, zugleich immer mehr Privatautos – und in der Folge ausgedünnte Busfahrpläne. »Ab einem bestimmten Punkt ist es nicht mehr wirtschaftlich, einen Linienbus zu betreiben. In einer solchen Situation kann ein Bürgerbus helfen«, sagt Franz Heckens, Vorsitzender von Pro Bürgerbus NRW in Kevelaer. Er schätzt, dass es bundesweit etwa 250 Bürgerbusse gibt. In Nordrhein-Westfalen sind es 117.

Im badischen Lauchringen steigen unterdessen die Fahrgastzahlen. Zwar auf niedrigem Niveau, aber genau dafür ist der Bus ja auch gedacht: 34 Fahrgäste hat Fahrer Franz Boll, 62 Jahre und in Altersteilzeit, heute durch Lauchringen gefahren. Das ist Rekord. »Der Bus wird sehr gut angenommen«, sagt er. Und das liege sicher nicht nur daran, dass er eine Lücke schließe – sondern auch daran, dass er zum Treffpunkt werde. »Sie glauben gar nicht, wie viel man auf zwe

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