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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2014
Wie kommt Gott ins Gehirn?
Die Erkenntnisse der Wissenschaft
Der Inhalt:

»Ein bisschen was zurückgeben!«

von Annette Lübbers vom 11.07.2014
Der Krankenpfleger Sebastian Schröder macht für die Brasilien-Initiative »Avicres« Öffentlichkeitsarbeit

Ich war 19 Jahre alt, als ich das erste Mal durch die Favelas von Rio de Janeiro streifte: die Hitze, die Luftfeuchtigkeit, die fremden Gerüche, die Geräuschkulisse, alles war anders als Zuhause. Vieles, was mir in Deutschland so selbstverständlich erschienen war – die ständig verfügbaren Lebensmittel, das funktionierende Gesundheitssystem, die Versicherungen für fast jeden Notfall –, all das gab es hier nicht. Ich glaube, dass ich damals begann, erwachsen zu werden.

Den Zivildienst leistete ich als Anderen Dienst im Ausland in Brasilien ab. Schon als Elfjähriger hatte ich für die deutsche Sektion der Brasilien-Initiative Avicres Brötchen geschmiert und Waffeln gebacken. Mein Vater und später auch meine Religionslehrerin waren Studenten des Paderborner Religionspädagogen Johannes Niggemeier gewesen, der 1991 – zusammen mit zwei Brasilianern – Avicres gegründet hatte.

Heute arbeite ich als Krankenpfleger in einem Paderborner Krankenhaus auf der Intensivstation. Zweimal im Jahr fliege ich auf eigene Kosten nach Brasilien und besuche für drei bis vier Wochen die Einrichtungen von Avicres. Bis 2010 betrieb die Organisation in Rio de Janeiro vier Heime für Kinder von der Straße oder aus sozial schwachen Familien. Bis die Heime geschlossen wurden, weil die brasilianische Regierung es sinnvoller fand, die Kinder in Adoptivfamilien zu integrieren. Stattdessen betreibt Avicres nun Einrichtungen, in denen etwa 300 Kinder ganztags betreut werden. Sie werden verpflegt, erhalten Nachhilfe und Musik-, Theater- und Schwimmunterricht. Außerdem unterhält die Initiative Gesundheitsstationen und hilft alten Menschen, Obdachlosen und Menschen mit Handicap.

Während meiner Aufenthalte besuche ich die Einrichtungen, spreche und spiele mit den Kindern und sammle Eindrücke für die Arbeit zu Hause. In Deutschland mache ich Öffentlichkeitsarbeit für Avicres. Ich gehe in Schulen, informiere über den Verein und sammle Spenden. Zusammen mit einer Vereinskollegin habe ich das Buch »Viva o Brasil – Ein Land und seine Menschen« veröffentlicht. Es handelt von der Arbeit der Initiative und über Brasilien allgemein und ist gerade rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft erschienen.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass unser Wohlstand nur möglich ist, weil die Armen keinen gerechten Anteil an dem erhalten, was

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