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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2013
"Wir brauchen einen toleranten Islam"
Malis höchster Iman Mahmoud Dicko kämpft für seine Vision
Der Inhalt:

»Die Jugend verliert die Angst«

von Katja Buck vom 12.07.2013
Viele Christen in Ägypten stehen vor der Frage: Auswandern oder im Land bleiben? Welche Zukunft haben sie in ihrer Heimat? Fragen an den neuen koptischen Papst Tawadros II.

Der Exodus von Christen aus Ägypten hat seit der Revolution vor zwei Jahren dramatisch zugenommen. Inwiefern beeinträchtigt das die koptische Kirche in Ägypten?

Papst Tawadros II.:Das Wort Exodus ist hier falsch. Es meint, dass große Gruppen einer Gemeinschaft ein Land verlassen. Das ist in Ägypten nicht der Fall. Wir reden dagegen von Migration, was bedeutet, dass Einzelpersonen und Familien weggehen. In der Tat hat die Zahl von Auswanderern seit der Revolution zugenommen, und das beeinträchtigt auch die Kirche. Wer geht, hat in der Regel einen hohen Bildungsstand und steht auch wirtschaftlich gut da. Der Schatz Ägyptens sind seine Menschen, nicht die Mineralien, der Ackerboden oder andere Rohstoffe.

Und wie sieht es für die Kirche aus?

Tawadros: Die Kirche ist ein Teil Ägyptens. Ihr Reichtum sind ebenfalls die Menschen. Aber nicht nur Christen verlassen das Land. Auch viele Muslime gehen. Bei der christlichen Minderheit sind die Folgen der Auswanderung aber wesentlich sichtbarer als bei der muslimischen Mehrheit.

Sollten sich die koptischen Christen, die das Land verlassen, in die neuen Gesellschaften integrieren oder sollten sie ihre ägyptische Identität so weit wie möglich behalten und darauf hoffen, eines Tages wieder zurück nach Ägypten gehen zu können?

Tawadros: Natürlich sollen sie versuchen, sich zu integrieren. Sie sollten die neue Sprache lernen und sich in die neue Kultur einfügen. Sie sind koptischer Samen auf fremdem Land. Für die zweite Generation ist die Situation nicht einfach. Diese Menschen müssen mit einer doppelten Identität klarkommen. In der Familie leben sie wie Ägypter, aber ansonsten sind sie Teil der neuen Gesellschaft. Ich denke, dass die dritte Generation dieses Problem nicht mehr haben wird. Diese Menschen werden koptische Deutsche, Österreicher, Franzosen oder was auch immer sein. Der christliche Glaube kennt keine Geografie. Jesus ist zu allen Menschen gekommen.

Das Thema Diaspora ist aber für die koptische Kirche neu?

Tawadros: Ja, und es ist auch eine Herausforderung. Unsere Kirche ruht aber auf einer zwanzig Jahrhunderte langen Geschichte. Migranten nehmen ihre Kultur und ihre Tradition mit in das neue Land. Zum Beispiel wird die Art, wie koptische Pries

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