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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

»Soll ich die Ehebrecherin wirklich steinigen lassen?«

von Eva-Maria Lerch vom 04.07.2012
Moderne Menschen lassen sich die Bibel nicht mehr von Autoritäten ausdeuten. Sie wollen ihr selbst begegnen – mit Kopf und Bauch, Herz und Mund, Haut und Haar

Ein reicher Mann ruft seine Angestellten zusammen und vertraut ihnen sein Vermögen an. Dem einen gibt er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, einem dritten überlässt er nur ein einziges Talent. Dann reist er ab und geht außer Landes.

Diese Geschichte steht in der Bibel, im Neuen Testament. Und sie scheint auch für Leute von heute noch interessant zu sein, denn gerade an diesem Samstag sitzen 16 erwachsene Menschen im Kreis und hören ihr aufmerksam zu. Der Leiter der Gruppe, Nicolaas Derksen, klappt sodann seine Bibel zu und schreitet mit großen Schritten durch den Raum. »Dies ist das Haus des Mannes, der außer Landes gehen will«, sagt er und markiert ein großes Rechteck auf dem Boden. Er stellt sich in eine Ecke des Hauses und erklärt: »Hier steht der Diener, der die fünf Talente erhalten hat.« Dann geht er zwei Schritte weiter, »hier der mit den zwei Talenten«. Schließlich zeigt er den Platz des Mannes, der nur ein Talent bekommt und auch den Ort, wo der sein einziges Talent in der Erde vergräbt: »Ich lade euch nun ein, in den Raum des Gleichnisses hineinzugehen und eure eigene Rolle darin zu finden.«

Bibliodrama heißt diese Form, mit der Bibel zu arbeiten. Dabei wird der Bibeltext nicht nur gelesen und interpretiert, sondern von den Teilnehmern selbst in Szene gesetzt. Die Zuhörer identifizieren sich mit einer biblischen Rolle und kommen so miteinander in Kontakt.

Der Niederländer Derksen, der an diesem Samstag im Geistlichen Zentrum Haus Wasserburg in Vallendar das Spiel anleitet, gehört zu den Wegbereitern der Methode. Gemeinsam mit seinem Landsmann Herman Andriessen hat er vor rund dreißig Jahren eine eigene Spieltechnik des Bibliodramas entwickelt. Das Bibliodrama wird in unterschiedlichen Stilen und Spielweisen angeboten, in evangelischen und katholischen Gemeinden, in Klöstern, auf Kirchentagen, zuweilen auch im Gottesdienst und im Religionsunterricht.

Die weite Verbreitung des Bibliodramas macht ein wachsendes Bedürfnis nach einer selbstbestimmten Begegnung mit der Bibel deutlich. Quer durch die Konfessionen wächst die Zahl der Christen, die sich nicht mit fertigen Deutungen abspeisen lassen, sondern existenziell und ganzheitlich an die überlieferten Texte herangehen und erleben möchten, welche Resonanz diese in ihrem Leben erzeugen. Bibliodrama gehört damit zu den

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