Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

Aus der Tiefe der Seele

von Hubertus Halbfas vom 06.07.2012

In der Apostelgeschichte wird berichtet, wie der eifrige Christenverfolger Saulus vor Damaskus plötzlich, wie vom Blitz getroffen, eine Konversion erlebt: Saulus, der verbissene Christenhasser, wird zum Paulus, zu einem glühenden Anhänger Jesu. »Ganze Generationen von Theologen«, kommentiert der Religionsphilosoph Eugen Biser, hätten ihren Scharfsinn darangesetzt, die Dramatik dieses sogenannten »Damaskus-Erlebnisses« »auszuleuchten und nach der Veranlassung der Konversion durch die Vorgeschichte zu befragen«, um das Geschehen »im Spannungsfeld der Begriffe ›Auferstehung‹ und ›Offenbarung‹ auszutragen«. Die Autoren nennen das Damaskus-Geschehen alle »Vision«, aber keinem fällt es ein, das so identifizierte Phänomen von seiner psychischen Natur her in das theologische System einzubeziehen, das sie auf Hunderten von Seiten entfalten.

Alle deuten die Damaskus-Vision im Selbstverständnis des Paulus als Gottes offenbarendes Handeln, ohne auch nur mit einem halben Gedanken den Einwand von Ernst Troeltsch aufzunehmen, dass das neuzeitliche Denken »keine Fakten kennt, die zwar in der Geschichte stehen, aber nicht aus der Geschichte stammen«. Man muss also fragen, wie mit Visionen, »Erscheinungen« und deren Verständnis als Offenbarung umzugehen ist.

Der Theologe Hans-Jürgen Verweyen sagt über die »Erscheinungen des Auferstandenen«: »Konkretes über Inhalt und Sinn der Erscheinungen wissen wir nur aus dem Zeugnis des Apostels Paulus über die von ihm selbst erlebte Begegnung mit dem Auferstandenen … Die Erscheinungen, die den Jüngern zuteil wurden, dürften von ähnlicher Art gewesen sein.« Ebenso erklärt Eugen Biser: »Was Paulus vor dem Stadttor von Damaskus widerfuhr, liegt für ihn … auf derselben Linie wie die Erscheinungen des Auferstandenen, deren Zeugen die Altapostel geworden waren.« Auch die exegetische Literatur führt die Ostererfahrung auf Visionen zurück.

Unstrittig ist also: Der Auferstehungsglaube wurde durch Visionen gestiftet. Paulus bestätigt dies. Im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth schreibt er: »Als Letztem von allen erschien er auch mir…« Damit greift er die vorgegebene Terminologie auf, um sich selbst in die Reihe der zuvor genannten Autoritäten einzuordnen. Er beansprucht die Gleichstellung mit allen Aposteln und die Zuordnung zu ihrem Kreis; zugleich geht er damit von einer Identität der Erfahrungen aus.

Es gibt weitere Ans

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen